Protokolle 31–32 (2018)

Protokolle der 31. und 32. Tagung im Jahr 2018:

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31. Tref­fen am Cent­re Euro­péen d’Études Japo­nai­ses d’Alsace (CEEJA), Kay­sers­berg Vigno­ble, Kient­z­heim vom 15.–17. Juni 2018
32. Tref­fen an der Japa­no­lo­gie der Uni­ver­si­tät Leip­zig, 4.–5. Novem­ber 2018

31. Tref­fen am Cent­re Euro­péen d’Études Japo­nai­ses d’Alsace (CEEJA), Kay­sers­berg Vigno­ble, Kient­z­heim, Frank­reich, 15. – 17. Juni 2018:

Das 31. Tref­fen der Initia­ti­ve zur his­to­ri­schen Japan­for­schung fand vom 15. bis 17. Juni 2018 am Cent­re Euro­péen d’Études Japo­nai­ses d’Alsace (CEEJA), Kay­sers­berg Vigno­ble, Kient­z­heim, Frank­reich statt.

Anwe­send waren: Aka­shi Tomo­no­ri (Fukuoka/Leuven), Anja Batram (Bochum), Ali­ne Dre­her (Bochum), Dani­el Gerich­hau­sen (Bonn), Lisa Ham­me­ke (Fried­richs­ha­fen), Nad­ja Kischka‐Wellhäuser (Bochum), Vere­na Klein (Bochum), Till Knaudt (Hei­del­berg), Ste­fan Köck (Wien), Regi­ne Mathi­as (CEEJA), Hen­ri­et­te Mühl­mann (Ham­burg), Ono Hiro­shi (Kobe/Leuven), Erich Pau­er (CEEJA), Anke Sche­rer (Köln), Jan Schmidt (Leu­ven), Wolf­gang Sei­fert (Hei­del­berg), Mor­gai­ne Set­zer (Bochum), Lie­ven Som­men (Leu­ven), Det­lev Taran­c­zew­ski (Bonn), Yuka­wa Shirō (Bonn), Mat­thi­as Zach­mann (Ber­lin)

Vor­trä­ge:
Erich Pau­er (CEEJA): Begrü­ßung.
In der Begrü­ßung der Teil­neh­mer stell­te Erich Pau­er, der für den Bereich Japan­wis­sen­schaf­ten zustän­di­ge Vize‐Präsident des CEEJA, die Insti­tu­ti­on kurz vor und erklär­te, wie aus einer ursprüng­lich von 1986 bis 2006 im Gebäu­de betrie­be­nen japa­ni­schen Mittel‐ und Ober­schu­le das jet­zi­ge Zen­trum her­vor­ging, zu dem auch eine schnell wach­sen­de Japan‐Bibliothek gehört. Für das Initia­ti­ve­tref­fen war in der Biblio­thek eine Aus­stel­lung Edo‐zeitlicher Holzdruck‐Bücher auf­ge­baut wor­den, und wäh­rend der gan­zen Tagung konn­te und wur­de die Biblio­thek von den Tagungs­teil­neh­mern rege genutzt. Eine aus­führ­li­che Biblio­theks­füh­rung mit Mög­lich­kei­ten zur indi­vi­du­el­len Recher­che fand zudem am Sonn­tag­vor­mit­tag statt.

Dani­el Gerich­hau­sen (Bonn): Vom Gesche­hen zum Text. Mime­sis in China‐Reisberichten japa­ni­scher Lite­ra­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg.
Nach der Begrü­ßung und Ein­füh­rung stell­te Dani­el Gerich­hau­sen von der Uni­ver­si­tät Bonn sein Dis­ser­ta­ti­ons­pro­jekt unter dem Titel „Vom Gesche­hen zum Text – Mime­sis in China‐Reisberichten japa­ni­scher Lite­ra­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg“ vor. Zehn Jah­re nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs konn­ten japa­ni­sche Lite­ra­ten erst­mals die Volks­re­pu­blik Chi­na berei­sen. Obwohl noch mehr als zwei Deka­den bis zum Abschluss eines Frie­dens­ver­tra­ges zwi­schen Japan und Chi­na ver­gin­gen, besuch­ten in den 1950er und 1960er Jah­ren eini­ge nam­haf­te Autoren wie Inoue Yasushi und Naka­no Shi­ge­ha­ru das Land und leg­ten teils aus­führ­li­che Rei­se­be­rich­te vor. Anders als ihre fik­tio­na­len Wer­ke sind die­se jedoch bis­lang kaum Gegen­stand der For­schung gewor­den. In der japa­ni­schen Lite­ra­tur­wis­sen­schaft wer­den sie allen­falls als Quel­len für bio­gra­phi­sche Arbei­ten genutzt oder bei der Suche nach Rea­li­täts­re­fe­ren­zen in den lite­ra­ri­schen Wer­ken der Autoren her­an­ge­zo­gen. Meist liegt die­ser Betrach­tungs­wei­se eine unkri­ti­sche Gleich­set­zung von Rei­se­be­rich­ten mit blo­ßer fak­ten­ge­treu­er Wie­der­ga­be ver­gan­ge­nen Gesche­hens zugrun­de, die kom­po­si­to­ri­sche und ästhe­ti­sche Ver­fah­ren ver­nach­läs­sigt.
Der Vor­trag pro­ble­ma­ti­sier­te die­se Her­an­ge­hens­wei­se und stell­te einen nar­ra­to­lo­gi­schen Ansatz vor, um die Wirk­lich­keits­dar­stel­lung in die­sen Wer­ken durch die Ana­ly­se rhe­to­ri­scher und nar­ra­ti­ver Stra­te­gi­en zu unter­su­chen. Die­ser Zugang kom­bi­niert die drei Ebe­ne der Prä­fi­g­u­ra­ti­on, Kon­fi­gu­ra­ti­on und Refi­gu­ra­ti­on, die die Wech­sel­wir­kung zwi­schen Text und Wirk­lich­keit beschrei­ben, mit den vier Stu­fen der nar­ra­ti­ven Reprä­sen­ta­ti­on und Trans­for­ma­ti­on nach Nün­ning: [1] Gesche­hen (d.h. das tat­säch­li­che Erle­ben) – [2] Geschich­te (d.h. der­zeit­li­cher Aus­schnitt, bereits sinn­haft gedeu­tet) – [3] Erzäh­lung (d.h. die kom­po­si­to­ri­sche Formgebung/der Plot) – [4] Text (d.h. das Resul­tat). Anhand von Kri­te­ri­en zur typo­lo­gi­schen Dif­fe­ren­zie­rung wie Selek­ti­on von Refe­renz­be­rei­chen, Gestal­tung der Erzähl­ebe­ne, Zeit­be­zug und inten­dier­te Text­funk­ti­on prä­sen­tier­te Dani­el Gerich­hau­sen die fol­gen­den vier Typen von Rei­se­be­rich­ten, in die er im Anschluss aus­ge­wähl­te Bei­spie­le ein­ord­ne­te: Doku­men­ta­ri­scher Rei­se­be­richt („Gescheh­nis­se genau bele­gen“), Rea­lis­ti­scher Rei­se­be­richt („Erzäh­len“), Revi­sio­nis­ti­scher Rei­se­be­richt („Neu beschrei­ben“) und Selbst­re­fle­xi­ve Meta‐Reisefiktion. Damit zeig­te er, dass ent­ge­gen der Vor­stel­lung von authen­ti­schen Augen­zeu­gen­be­rich­ten erst durch Selek­ti­on und Kon­fi­gu­ra­ti­on ein­zel­ner Ele­men­te gat­tungs­kon­for­me Aus­prä­gun­gen des Rei­se­be­richts ent­ste­hen.
In der Dis­kus­si­on wur­de die Fra­ge nach der Ziel­rich­tung der Dis­ser­ta­ti­on dis­ku­tiert. Dabei wur­de in Fra­ge gestellt, ob es tat­säch­lich noch das Pro­blem in der japa­ni­schen Lite­ra­tur­wis­sen­schaft gibt, dass Rei­se­be­rich­te als objek­ti­ve Quel­le gese­hen wer­den. Außer die­ser Nach­fra­ge nach dem heu­ris­ti­schen Wert der Dis­ser­ta­ti­on wur­den Aspek­te wie die Dar­stel­lung Chi­nas im Licht der Vor­be­las­tung des sino‐japanischen Ver­hält­nis­ses durch die Ereig­nis­se vor und wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs ver­misst.

Erich Pau­er (CEEJA): Vom Stu­den­ten der chi­ne­si­schen Klas­si­ker zum moder­nen Inge­nieur – Die „Ōhara-Papers“.
Im zwei­ten Vor­trag mit dem Titel „Vom Stu­den­ten der chi­ne­si­schen Klas­si­ker zum moder­nen Inge­nieur – Die ‚Ōhara-Papers‘“ sprach Erich Pau­er vom CEEJA über Mit­schrif­ten und Praktika‐Berichten eines Bergbau‐Studenten (Ōha­ra Jun­no­suke) des Impe­ri­al Col­le­ge of Engi­nee­ring (工部大学校) aus den Jah­ren 1878‐ 1882, die er durch Zufall vor eini­ger Zeit erwer­ben konn­te. Die­ser ein­zig­ar­ti­ge Fund ermög­licht es, den Bildungs‐ und Kar­rie­re­ver­lauf eines aus dem Stand der Samu­rai kom­men­den Stu­den­ten hin zum moder­nen Inge­nieur exem­pla­risch nach­zu­zeich­nen. Die sel­te­nen Doku­men­te erlau­ben es, erst­mals den Unter­richt und die Inhal­te von Vor­le­sun­gen, die die eng­li­schen und schot­ti­schen Leh­rer am Col­le­ge of Engi­nee­ring abhiel­ten, zu ana­ly­sie­ren. Die Mit­schrif­ten zei­gen zudem, wie das west­li­che Wis­sen rezi­piert wur­de und auf wel­chem tech­ni­schen Niveau sich die Stu­den­ten beim Abschluss befan­den. Eben­falls deut­lich wird aus den Unter­la­gen z.B. auch der kon­kre­te Ver­lauf von Prak­ti­ka. In den Berich­ten zeich­net der Stu­dent ein genau­es Bild der Lage ver­schie­de­ner Gold‐, Silber‐ und Koh­le­berg­wer­ke, deren Lage, die betrieb­li­chen Ver­hält­nis­se, die tra­di­tio­nel­len wie moder­nen Gerä­te, die Arbeits­kräf­te etc. Dar­in spie­gelt sich auch ein bis­lang so nicht gekann­tes ein­drucks­vol­les Bild der Moder­ni­sie­rung in einem für Japan äußerst wich­ti­gen Indus­trie­be­reich. So zeigt ein Prak­ti­kums­be­richt über das Berg­werk in Iku­no, wie dort noch tra­di­tio­nel­le Gerät­schaf­ten und Prak­ti­ken neben tech­ni­schen Neue­run­gen und moder­nen Maschi­nen zum Ein­satz kamen. Da aus der Zeit zwi­schen 1868 und 1885 nur weni­ge Unter­la­gen aus dem Berg­bau erhal­ten sind, erlau­ben die Auf­zeich­nun­gen von Ōhara die Ver­hält­nis­se in japa­ni­schen Berg­wer­ken in einer wich­ti­gen Umbruch­pha­se zu ver­ste­hen, über die es ansons­ten weni­ge Quel­len gibt. Die Ana­ly­se der Auf­zeich­nun­gen von Ōhara zeigt, dass die japa­ni­schen Berg­wer­ke in der frü­hen Meiji‐Zeit moder­ner waren als bis­lang ange­nom­men. Auch las­sen sei­ne Auf­zeich­nun­gen über Löh­ne und Kos­ten in den Berg­wer­ken wich­ti­ge Rück­schlüs­se über betriebs­wirt­schaft­li­che Aspek­te im dama­li­gen japa­ni­schen Berg­bau zu.
Im Anschluss an den Vor­trag wur­de über den Ein­fluss der aus­län­di­schen Pro­fes­so­ren und der Ver­wen­dung von Eng­lisch als Aus­bil­dungs­spra­che auf die Prä­gung von Ōhara und ande­ren Inge­nieu­ren sei­ner Genera­ti­on dis­ku­tiert. Zwar las­sen sich kei­ne umfas­sen­den Erkennt­nis­se über den Ein­fluss die­ser Fak­to­ren aus den Quel­len gewin­nen, aber die Tat­sa­che, dass Ōhara eini­ge Zeit brauch­te, um sich von einem mit­tel­mä­ßi­gen zu einem sehr guten Stu­den­ten zu ent­wi­ckeln, zeigt, dass er einen län­ge­ren Anpas­sungs­pro­zess an die Unter­richts­spra­che und Arbeits­wei­se der aus­län­di­schen Dozen­ten, die sich ihrer­seits kaum an japa­ni­sche Ver­hält­nis­se anpass­ten, durch­lau­fen hat.

Ono Hiro­shi (Kobe): The­men und Nut­zen von Stu­di­en zur Mili­tär­ge­richts­bar­keit.
Im ers­ten Kurz­be­richt des Nach­mit­tags sprach Ono Hiro­shi von der Uni­ver­si­tät Kobe auf Japa­nisch über The­men und den Nut­zen von Stu­di­en zur Mili­tär­ge­richts­bar­keit. Da es sich um ein erst kürz­lich begon­ne­nes For­schungs­vor­ha­ben han­delt, hat­te der Bericht eher einen Werk­statt­cha­rak­ter. Sein Fokus lag dabei nicht auf dem, was der Begriff der Mili­tär­ge­richts­bar­keit gemein­hin beinhal­tet (z.B. Recht­spre­chung inner­halb des Mili­tärs), son­dern auf der vom japa­ni­schen Mili­tär in besetz­ten Gebie­ten bis zum Ende des Zwei­ten Welt­krieg aus­ge­üb­te Gerichts­bar­keit. Die­se hat­te in den besetz­ten Gebie­ten die Auf­ga­be der Auf­recht­erhal­tung von Ruhe und Ord­nung, wes­halb neben dem Kern­be­reich der vor Mili­tär­ge­rich­ten zu ver­han­deln­den Ver­ge­hen im mili­tä­ri­schen Bereich vor allem zahl­rei­che Geset­ze zur zivi­len Ver­wal­tung der besetz­ten Gebie­te im Zen­trum der Erfor­schung der dor­ti­gen Mili­tär­ge­richts­bar­keit ste­hen. Am Bei­spiel der von der japa­ni­schen Armee im besetz­ten Hong­kong aus­ge­üb­ten Gerichts­bar­keit zeig­te Hiro­shi Ono, dass es sich hier­bei nicht wie häu­fig ange­nom­men um eine Herr­schaft ohne Geset­ze (rule wit­hout law) han­del­te, son­dern dass es im Ver­lauf der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts einen Pro­zess gab, in dem sich die Idee einer auf Geset­zen basie­ren­den Herr­schaft (rule by law) in den vom japa­ni­schen Mili­tär besetz­ten Gebie­ten ent­wi­ckel­te.

Aka­shi Tomo­no­ri (Fuku­o­ka): Zur Geschich­te der Gefäng­nis­se in der Meiji‐Zeit. Die Unab­hän­gig­keit der Gefäng­nis­ver­wal­tung und ihr Ein­fluss.
Im zwei­ten japa­nisch­spra­chi­gen Kurz­be­richt des Nach­mit­tags „Zur Geschich­te der Gefäng­nis­se in der Meiji‐Zeit. Die Unab­hän­gig­keit der Gefäng­nis­ver­wal­tung und ihr Ein­fluss“ sprach Aka­shi Tomo­no­ri von der Kyūshū‐Universität in Fuku­o­ka über die Ergeb­nis­se sei­ner Dis­ser­ta­ti­on. Dar­in zeig­te er die Ver­än­de­run­gen im japa­ni­schen Gefäng­nis­sys­tem von der Edo‐Zeit bis zur Meiji‐Zeit. Da es in der Edo‐Zeit kein lan­des­weit ein­heit­li­ches Sys­tem von Gefäng­nis­sen, son­dern eine Mischung aus Prak­ti­ken wie Hin­rich­tung, Ver­ban­nung, Täto­wie­rung etc. für die Ahn­dung von Straf­ta­ten gab, bezeich­ne­te er die Meiji‐Zeit als eine Art „Stun­de Null“ für den Auf­bau eines moder­nen Gefäng­nis­sys­tems. In sei­ner Dis­ser­ta­ti­on zeich­net er die Her­aus­bil­dung die­ses pro­fes­sio­nel­len Sys­tems und der Ein­flüs­se auf sei­ne Ent­wick­lung nach. Dabei ging er auch auf die Pro­ble­ma­tik der Finan­zie­rung von Gefäng­nis­sen sowie den Ein­fluss von Reli­gi­on und Gesell­schaft bei der Her­aus­bil­dung einer moder­nen Gefäng­nis­ver­wal­tung ein.

Jan Schmidt (Leu­ven): Kam­mern der Macht? Eine Politik‐ und Kul­tur­ge­schich­te der Industrie‐ und Han­dels­kam­mern Japans, 1878–1960er Jah­re.
Kurz­vor­stel­lung Num­mer drei von Jan Schmidt von der KU Leu­ven hat­te den Titel „Kam­mern der Macht? Eine Politik‐ und Kul­tur­ge­schich­te der Industrie‐ und Han­dels­kam­mern Japans, 1878–1960er Jah­re“. Dem The­ma der Industrie‐ und Han­dels­kam­mern (IHK) Japans wur­de in der For­schung zur Neue­ren und Neu­es­ten Geschich­te Japans bis dato ver­gleichs­wei­se wenig Beach­tung geschenkt. Das ist erstaun­lich, wenn man deren Rol­le in poli­tik­ge­schicht­li­cher Per­spek­ti­ve bedenkt. Auch ihre Funk­tio­nen als wesent­li­ches Organ zur Ver­tei­lung von Infor­ma­tio­nen, die weit über den öko­no­mi­schen Bereich hin­aus­ge­hen, sowie als Stät­ten – natür­lich stets inter­es­sen­ba­sier­ter – kul­tu­rel­ler Ver­an­stal­tun­gen oder phil­an­thro­pi­scher Initia­ti­ven, die häu­fig in einem Span­nungs­ver­hält­nis zur (post)imperialen Metro­po­le Tokyo stan­den, wur­den nur unzu­rei­chend beleuch­tet. Die bis­he­ri­ge For­schung betont die Funk­ti­on der IHKen als Orte des Aus­tauschs und der Dis­kus­si­on zum Zwe­cke der Wei­ter­ent­wick­lung der loka­len Wirt­schaft. Das Pro­jekt von Jan Schmidt wird dar­über hin­aus den Zusam­men­hang mit natio­na­len sowie den impe­ria­len öko­no­mi­schen Zie­len erfor­schen. Die IHKen waren als Spon­so­ren und Ver­an­stal­ter zahl­rei­cher Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen und als Samm­ler von Sta­tis­ti­ken und Her­aus­ge­ber auf die­sen Sta­tis­ti­ken basie­ren­der Publi­ka­tio­nen eine Pres­su­re Group, die die loka­len wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen inner­halb der Regi­on und / oder dem Gesamt­staat gegen­über ver­tra­ten und damit auch poli­ti­schen Ein­fluss aus­üb­ten. Als eine Fall­stu­die stell­te er die IHK von Otaru vor, einem Ort, der in der Meiji‐Zeit als Tor zu Hok­kai­dō gese­hen wur­de. Dort wur­de 1895 eine IHK gegrün­det, die in den 1910er und 1920er Jah­re eine Schar­nier­funk­ti­on zwi­schen loka­ler Wirt­schaft und Natio­nal­staat hat­te, unter ande­rem durch die Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Infor­ma­ti­ons­ge­win­nung und die Ein­rich­tung von Abtei­lun­gen, in denen Zah­len gesam­melt und Sta­tis­ti­ken erstellt wur­den.

Nad­ja Kischka‐Wellhäußer (Bochum): Frau­en­ver­ei­ne und weib­li­che Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on im Japan der Meiji‐Zeit: Star­ke Bin­dun­gen.
Der zwei­te Teil des Nach­mit­tags begann mit der Kurz­vor­stel­lung von Nad­ja Kischka-Wellhäußer von der Ruhr‐Universität Bochum. In ihrem Vor­trag über „Frau­en­ver­ei­ne und weib­li­che Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on im Japan der Meiji‐Zeit: star­ke Bin­dun­gen“ the­ma­ti­sier­te sie die frü­hen japa­ni­schen Frau­en­ver­ei­ne etwa zwi­schen den 70er und 90er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts. Dabei leg­te sie den Fokus auf die Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Haupt­ak­teu­rin­nen sowie eini­gen Insti­tu­tio­nen, die auf ver­schie­de­nen Wegen für die Eman­zi­pa­ti­on der japa­ni­schen Frau ein­tra­ten. Das Haupt­au­gen­merk des im Vor­trag vor­ge­stell­ten Teil­be­reichs des For­schungs­pro­jekts liegt auf dem Ver­bin­dungs­ge­flecht zwi­schen eini­gen aus­ge­wähl­ten Per­so­nen, Ange­hö­ri­gen eines der Frau­en­ver­ei­ne und Per­so­nen aus ande­ren Insti­tu­tio­nen wie bestimm­te Mäd­chen­schu­len oder Print­me­di­en, das auf die Exis­tenz eines sozia­len Netz­wer­kes schlie­ßen lässt. Im Pro­jekt soll die­ses Netz­werk näher beschrie­ben und auf ver­schie­de­ne Wei­se visu­ell dar­ge­stellt wer­den, je nach­dem, wel­che inhalt­li­chen Schwer­punk­te durch die Gra­phik beleuch­tet wer­den. Durch ein­zel­ne Bei­spie­le von Bio­gra­phi­en gesell­schaft­lich enga­gier­ter Frau­en soll die Trag­fä­hig­keit die­ses Bezie­hungs­kom­ple­xes her­aus­ge­stellt wer­den. Ziel dabei ist es, die Bedeu­tung des Personen‐ und Inter­or­ga­ni­sa­ti­ons­netz­wer­kes her­aus­zu­stel­len und die zeit­li­che Aus­deh­nung und Bestand des Netz­wer­kes zu doku­men­tier­ten. In der Dis­kus­si­on kri­tisch hin­ter­fragt wur­de die Ziel­rich­tung der Netz­werk­ana­ly­se all­ge­mein sowie das kon­kre­te Ziel der Erfor­schung der prak­ti­schen Aspek­te der Lehrer‐Schüler‐Beziehung in der Frau­en­grup­pe. Auch wur­de die Fra­ge nach der Rol­le des Chris­ten­tums in den dar­ge­stell­ten Netz­wer­ken dis­ku­tiert.

Ste­fan Köck (Wien): Mul­ti­di­men­sio­na­li­tät von shintō-uke und den Quel­len und Inter­pre­ta­ti­ons­an­sät­ze zur reli­giö­sen Kon­trol­le im Okayama‐han.
Der nächs­te Vor­trag von Ste­fan Köck von der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten in Wien beschäf­tig­te sich mit der Mul­ti­di­men­sio­na­li­tät von shintō-uke und den Quel­len und Inter­pre­ta­ti­ons­an­sät­ze zur reli­giö­sen Kon­trol­le im Okayama‐han. Obwohl das Sys­tem der reli­giö­sen Kon­trol­le der Bevöl­ke­rung durch Shintō-Schreine (shintō-uke) im Okayama‐han von 1666 an rund 25 Jah­re prak­ti­ziert wur­de, sind ver­gleichs­wei­se weni­ge zeit­ge­nös­si­sche Quel­len über­lie­fert, aus denen sich Infor­ma­tio­nen über die Umset­zung von shintō-uke gewin­nen las­sen. Im Ikeda‐Familienarchiv der Uni­ver­si­tät Oka­ya­ma und im Prä­fek­tur­ar­chiv des Okayama‐ken fin­den sich jeweils ver­schie­de­ne Quel­len­kor­po­ra mit Bezug zu die­sem The­ma. Nur weni­ges davon liegt in edier­ter Fas­sung vor. Im Vor­trag stell­te Ste­fan Köck vor, wel­che Dimen­sio­nen von >em>shintō-uke>/em> sich auf Basis der Quel­len bei­der Archi­ve beschrei­ben las­sen. Dabei zeig­te er, wie sich durch Kom­bi­na­ti­on von Quel­len bei­der Archi­ve und durch die for­ma­le Viel­falt der vor­han­de­nen Quel­len zeit­ge­nös­si­sche Erschei­nun­gen beschrei­ben las­sen und dis­ku­tier­te den Bei­trag von shintō-uke zu Ent­wick­lungs­pro­zes­sen lang­fris­ti­ger Natur, die bis ins 19. Jahr­hun­dert reich­ten. Im Anschluss an den Vor­trag wur­de die Fra­ge bespro­chen, ob es sich beim vor­ge­stell­ten Phä­no­men um eine loka­le, auf Oka­ya­ma bezo­ge­ne Maß­nah­me han­del­te. Nach Aus­sa­ge eines japa­ni­schen Wis­sen­schaft­lers war das shintō-uke-Sys­tem von Oka­ya­ma Vor­bild für ähn­li­che Maß­nah­men der Tempel‐ und Schrein­re­du­zie­rung der Meiji‐Zeit.

Till Knaudt (Hei­del­berg): Mai­kon in Maihōmu.
Der letz­te Vor­trag von Till Knaudt von der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg mit dem Titel „Mai­kon in Maihōmu“ war ein Werk­statt­be­richt zu einer Geschich­te des Heim­com­pu­ters in Japan. Ende der 1970er Jah­re bis Anfang der 1990er Jah­re ent­stand in Japan ein spe­zi­el­les Öko­sys­tem der elek­tro­ni­schen Daten­ver­ar­bei­tung, das auf­grund u.a. der tech­no­lo­gi­schen und öko­no­mi­schen Schwie­rig­kei­ten bei der Umset­zung des sino‐japanischen Schrift­sys­tems von ein­hei­mi­schen Kon­zer­nen wie NEC, Fuji­tsu, Sharp und Sony domi­niert wur­de. Jen­seits von Büro­sys­te­men zur Text‐ und Daten­ver­ar­bei­tung, sowie Spiel­kon­so­len, setz­ten sich drei ver­schie­de­ne Hardware‐ Platt­for­men durch: Per­so­nal­com­pu­ter (pas­o­kon), Heim­com­pu­ter (mai­kon), und Text­pro­zes­so­ren (waa­pu­ro). Gegen­über allen die­ser Sys­te­me gab es von Anfang an Erwar­tungs­hal­tun­gen und Ängs­te; von der Ver­wand­lung von Grund­schü­lern in BASIC‐Programmierer, der Auto­ma­ti­sie­rung von (Büro-)Arbeit (OA=office auto­ma­tiza­ti­on) bis zum ver­meint­li­chen Unter­gang der japa­ni­schen Spra­che. Zu den sozio­kul­tu­rel­len Aus­wir­kun­gen der Ankunft von Com­pu­tern in Fami­li­en, Schu­len, Büros und Klein­be­trie­ben lie­gen kaum For­schungs­er­geb­nis­se vor. Der Werk­statt­be­richt befass­te sich mit der ers­ten Pha­se der Heim­com­pu­ter zwi­schen 1977 und 1985 und dis­ku­tier­te das Poten­ti­al die­ses The­mas als sozio­kul­tu­rel­le Tech­nik­ge­schich­te. In den spä­tern 1970er und frü­hen 1980er Jah­ren hat­te sich eine „Hob­by­is­ten­sze­ne“ her­aus­ge­bil­det. Danach begann die Mas­sen­ver­mark­tung zuerst mit sexua­li­sier­ter Wer­bung, die männ­li­che Com­pu­ter­freaks anspre­chen soll­te. Dies wich aller­dings schnell ziel­grup­pen­spe­zi­fi­schen Wer­be­stra­te­gi­en für alle Tei­le der japa­ni­schen Gesell­schaft. Mög­li­che For­schungs­fra­gen für das Pro­jekt umfas­sen die Ver­än­de­rung sozia­ler Bezie­hun­gen in Schu­le, Fami­lie, Arbeit durch mai­kon, die Ver­än­de­rung von Geschlech­ter­rol­len, der Ein­fluss der Auto­ma­ti­sie­rung auf Arbeits­ver­hält­nis­se, die Ver­mitt­lung von Pro­gram­mier­wis­sen in Schu­len, die Ver­än­de­rung des Ver­ständ­nis­ses von elek­tro­ni­scher Tech­no­lo­gie durch Home­com­pu­ter und BASIC. Auch die Fra­gen, ob sich eine Art Nihon­jin­ron rund um „japa­ni­sche Com­pu­ter“ ent­wi­ckel­te, wel­che poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Wider­stän­de gegen Glo­ba­li­sie­rung von Tech­no­lo­gie erkenn­bar waren und ob die Funk­ti­on von Heim­com­pu­ter eher inte­gra­tiv oder spal­tend war, sol­len im Pro­jekt the­ma­ti­siert wer­den.

Ver­schie­de­nes:
Der Sonn­tag­vor­mit­tag bot allen Tagungs­teil­neh­mern die Mög­lich­keit, an einer aus­führ­li­chen Biblio­theks­füh­rung teil­zu­neh­men und die Biblio­thek danach für indi­vi­du­el­le Recher­chen zu nut­zen. Wei­ter­hin gab es die Mög­lich­keit, ein Video aus einer Sen­de­rei­he der Abtei­lung Edu­ca­ti­on Tele­vi­si­on von NHK über den Phi­lo­so­phen Maru­ya­ma Masao anzu­se­hen. Bei die­sem Video han­del­te es sich um einen Überblick über Maru­ya­mas Ent­wick­lung zum poli­ti­schen Den­ker der japa­ni­schen Demo­kra­tie. Außer­dem fin­den sich dar­in meh­re­re Inter­views und Stel­lung­nah­men zum The­ma ANPO 1959 /60, zur Stu­den­ten­be­we­gung und ihren Zie­len, wie sie die japa­ni­schen 1968er ver­tra­ten. Meh­re­re Wis­sen­schaft­ler, dar­un­ter Mita­ni Tai’ichirō und Sasa­ki Take­shi, kom­men­tie­ren. Auch eine Rei­he kri­ti­scher Stim­men sind zu hören, dar­un­ter der Kul­tur­kri­ti­ker und Lite­rat Yoshi­mo­to Takaa­ki, der Max Weber‐Forscher Oriha­ra Hiro­shi, und beson­ders Maru­ya­mas Sohn, Maru­ya­ma Aki­ra (heu­te Mathematik‐Professor), der Ende der 1960er Jah­re sel­ber in der Zenkyōtō‐Studentenbewegung an der Nihon dai­gaku (Nichi­dai) aktiv war. Auf­grund eines detail­lier­ten Han­douts, das Wolf­gang Sei­fert eigens für die Vor­füh­rung mit anschlie­ßen­der Dis­kus­si­on ange­fer­tigt hat­te, erhiel­ten die Teil­neh­mer des Tref­fens einen sehr guten Ein­blick in das Schaf­fen und Wir­ken von Maru­ya­ma Masao.

Das Tref­fen ende­te mit einer kur­zen Dis­kus­si­on über die nächs­ten Tagungs­or­te. Für das ers­te Novem­ber­wo­chen­en­de (3. und 4. Novem­ber 2018) hat sich Robert Kraft aus Leip­zig zur Aus­rich­tung des Tref­fens bereit erklärt. Unter­stützt wird er von Tino Schölz.

(Anke Sche­rer)

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32. Tref­fen an der Japa­no­lo­gie der Uni­ver­si­tät Leip­zig, 3. — 4. Novem­ber 2018:

Das 32. Tref­fen der Initia­ti­ve zur his­to­ri­schen Japan­for­schung fand am 4. bis 5. Novem­ber in der Japa­no­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Leip­zig statt und wur­de von Robert Kraft und Tino Schölz orga­ni­siert.

Vor­trä­ge:
Micha­el Faci­us: Mit­suku­ri Gen­pa­chi, Tsub­oi Kume­zō und die West­li­che Geschich­te in der Meiji‐Zeit
Den ers­ten Vor­trag hielt Micha­el Faci­us zum The­ma Mit­suku­ri Gen­pa­chi, Tsub­oi Kume­zō und die West­li­che Geschich­te in der Meiji‐Zeit. Mit­suku­ri Gen­pa­chi 箕作元八 (1862–1919) und Tsub­oi Kume­zō 坪井九馬三 (1858–1936) gehör­ten gemein­sam mit dem gleich­alt­ri­gen Lud­wig Riess (1861–1921) zur ers­ten Genera­ti­on von His­to­ri­kern, die sich an der Uni­ver­si­tät Tokyo mit der Geschich­te des Wes­tens (西洋史 Seiyō-shi) befass­ten. Anders als bei Riess, der häu­fig als Begrün­der nicht nur der west­li­chen Geschich­te, son­dern auch der moder­nen Geschichts­wis­sen­schaft in Japan über­haupt ange­se­hen wird, sind Bio­gra­fie und Wir­ken der Erst­ge­nann­ten kaum erschlos­sen. Auf Japa­nisch lie­gen neben einer Edi­ti­on von Mit­suku­ris Rei­se­ta­ge­buch zwar vor allem Kurz­bio­gra­fi­en, Nach­ru­fe und per­sön­li­che Erin­ne­run­gen ihrer Schü­ler, aber in euro­päi­schen Spra­chen bis­lang noch gar kei­ne For­schung vor.
Des­halb gab der Vor­trag zuerst einen Über­blick über die zen­tra­len bio­gra­fi­schen Sta­tio­nen Mit­suku­ris und Tsub­o­is. Bei­den began­nen mit natur­wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en, bevor sie sich der in Japan noch nicht voll eta­blier­ten Dis­zi­plin der Geschichts­wis­sen­schaft zuwand­ten. Bei­de ver­brach­ten meh­re­re Jah­re im Aus­lands­stu­di­um in Deutsch­land, wo sie pro­mo­vier­ten, und bei­de wur­den nach ihrer Rück­kehr nach Japan sehr schnell auf Pro­fes­so­ren­stel­len beru­fen: Tsub­oi erhielt 1893 den Lehr­stuhl für Geschichts­wis­sen­schaft und Geo­gra­fie, Mit­suku­ri folg­te Lud­wig Riess 1902 als Pro­fes­sor für die Geschich­te des Wes­tens nach.
Im Anschluss an die bio­gra­fi­schen Daten stell­te Micha­el Faci­us kurz die wich­tigs­ten fach­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen der bei­den His­to­ri­ker vor. Etwas ver­ein­facht gespro­chen ent­stand dar­aus ein Pro­fil von Mit­suku­ri als Fach­his­to­ri­ker für euro­päi­sche und spe­zi­ell für fran­zö­si­sche Geschich­te. Dem­ge­gen­über war Tsub­oi brei­ter ori­en­tiert, zeig­te in sei­nen Publi­ka­tio­nen theo­re­ti­sches Inter­es­se und ver­such­te ord­nen­de Prin­zi­pi­en in der Geschich­te auf­zu­zei­gen. Die Idee, dass Geschich­te natur­wis­sen­schaft­li­chen Gesetz­mä­ßig­kei­ten unter­liegt, war dabei ein völ­lig neu­er, moder­ner Ansatz in der Wis­sen­schaft in Japan.
Ein Grund für die in Japan neue Beschäf­ti­gung mit west­li­cher Geschich­te war ein eben­falls neu­es Ver­ständ­nis von Geschich­te als Glo­bal­ge­schich­te. Dies beinhal­te­te, dass Mit­suku­ri und Tsub­oi davon aus­gin­gen, dass man die japa­ni­sche Geschich­te nur mit Kennt­nis­sen über west­li­che Geschich­te ver­ste­hen kann. Da Glo­bal­ge­schich­te aber nicht von den im Wes­ten ent­wi­ckel­ten The­men und Her­an­ge­hens­wei­sen allei­ne bestimmt sein dürf­te, wie­sen bei­de His­to­ri­ker auf die Wich­tig­keit des Bei­trags zur Glo­bal­ge­schich­te aus ande­ren Tei­len der Welt hin. Die ver­än­der­te Sicht von Japans Rol­le in der Glo­bal­ge­schich­te zeigt zum Bei­spiel ein von Tsub­oi 1904 her­aus­ge­ge­be­ner Sam­mel­band zur Ori­en­tie­rung in Kriegs­zei­ten. Dar­in ist im Gegen­satz zum bis­lang vor­herr­schen­den Bild vom akti­ven Wes­ten, der die Geschich­te vor­an­treibt, jetzt Japan eine trei­ben­de Kraft der geschicht­li­chen Ent­wick­lung und wich­ti­ger Teil der Welt­ge­schich­te.
In der an den Vor­trag anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on ging es dann unter ande­rem dar­um, die Bedeu­tung der bei­den His­to­ri­ker für die moder­ne japa­ni­sche Geschichts­wis­sen­schaft ein­zu­schät­zen. Hier­zu merk­te Micha­el Faci­us an, dass hier häu­fig die Rol­le von Lud­wig Riess in den Vor­der­grund gestellt wür­de, obwohl die­ser durch sei­ne Lehr­tä­tig­keit ledig­lich sei­ne direk­ten Stu­den­ten an der Uni­ver­si­tät Tokyo erreicht hat­te. Dem­ge­gen­über präg­ten die von Mit­suku­ri und Tsub­oi ver­fass­ten Lehr­bü­cher gan­ze Genera­tio­nen von Mit­tel­schü­lern in Japan.
Auch über die Über­nah­me west­li­cher Theo­ri­en und Metho­den in der japa­ni­schen Geschichts­wis­sen­schaft wur­de dis­ku­tiert. So stamm­te die Idee, dass es Gesetz­mä­ßig­kei­ten in der geschicht­li­chen Ent­wick­lung gibt, höchst­wahr­schein­lich aus dem Kon­takt, den bei­de Wis­sen­schaft­ler mit deut­scher Phi­lo­so­phie bzw. dem his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus wäh­rend des Stu­di­ums in Deutsch­land hat­ten. Bei bei­den im Vor­der­grund stan­den aber weni­ger die Gesetz­mä­ßig­kei­ten von his­to­ri­scher Ent­wick­lung als mehr die Über­zeu­gung, dass Geschich­te ein glo­ba­les Phä­no­men ist.
Die Ori­en­tie­rung am deut­schen Vor­bild war für bei­de Wis­sen­schaft­ler sehr prä­gend, aber Micha­el Faci­us rela­ti­vier­te die über Lud­wig Riess gezo­ge­ne direk­te Linie der Nach­fol­ge als „Enkel­schü­ler“ des deut­schen His­to­ri­kers Leo­pold von Ran­ke. So wird Lud­wig Riess zwar häu­fig dis­kur­siv als Schü­ler Ran­kes prä­sen­tiert, er hat­te die­sen aber nur zwei­mal getrof­fen und sein „Schü­ler­sein“ stütz­te sich vor allem dar­auf, dass er Ran­kes Ansich­ten ver­trat. Tsub­oi und Mit­suku­ri haben sich von Ran­ke inso­fern etwas abge­setzt, als dass Tsub­oi die von Ran­ke ver­tre­te­ne Idee, dass Geschich­te von gro­ßen Män­nern gemacht wer­de, ablehn­te und Mit­suku­ri von sich sag­te, dass er zwar ein Ver­eh­rer von Ran­ke, aber kein blin­der Gefolgs­mann sei.

Lutz Damm­beck: Bru­no & Bet­ti­na – Ein Gespräch über Kunst und Revo­lu­ti­on (Filmvorführung und Gespräch)
Als zwei­ter Pro­gramm­punkt am Sams­tag­nach­mit­tag wur­de der Doku­men­tar­film „Bru­no & Bet­ti­na – Ein Gespräch über Kunst und Revo­lu­ti­on“ gezeigt, in dem Lutz Damm­beck (Lutz Damm­beck Film­pro­duk­ti­on, Ham­burg) mit Ada­chi Masao ein Inter­view führt. Ada­chi Masao ist einer der bekann­tes­ten Autoren und Regis­seu­re des japa­ni­schen Kinos. 1971 fuhr er mit sei­nem Kol­le­gen Waka­matsu Koji vom Film­fes­ti­val in Can­nes in den Liba­non und dreh­te für die „Volks­front zur Befrei­ung Paläs­ti­nas“ (PFLP) einen Dokumentar‐ und Pro­pa­gan­da­film. Drei Jah­re spä­ter, 1974, schloss er sich der von Shi­geno­bu Fusa­ko im Liba­non in der Bekaa‐Ebene gegrün­de­ten „Japa­ni­schen Roten Armee“ an. Nach drei­und­zwan­zig Jah­ren in der Ille­ga­li­tät wur­de er ver­haf­tet, vor Gericht gestellt und wegen eines Pass­ver­ge­hens ver­ur­teilt. Heu­te lebt Ada­chi in Tokyo und enga­giert sich gegen die japa­ni­sche Atom­in­dus­trie.
In der Doku­men­ta­ti­on spricht Lutz Damm­beck mit Ada­chi Masao über sein Leben, wie er in Kon­takt kam mit der „Japa­ni­schen Roten Armee“, was er im Liba­non mach­te, wel­che Fil­me er dreh­te und wel­ches Ver­hält­nis der Regis­seur zu Kunst, Revo­lu­ti­on und Ter­ro­ris­mus hat. Dabei wer­den nicht alle im Film gestell­ten Fra­gen beant­wor­tet, beson­ders nicht die nach der Rol­le von Ada­chi und Shi­geno­bu als von der Sta­si als „Bru­no“ und „Bet­ti­na“ geführ­ten Per­so­nen.
Im Anschluss an den Film ent­spann sich eine sehr kon­tro­ver­se Dis­kus­si­on dar­über, wie ein sol­cher Doku­men­tar­film mit sei­nem Sujet umgeht. Gefragt wur­de danach, ob nicht eine sol­che Doku­men­ta­ti­on jeman­dem wie Ada­chi eine Büh­ne gibt, Gewalt wie sie die „Japa­ni­sche Rote Armee“ aus­üb­te, zu legi­ti­mie­ren. Bemän­gelt wur­de das Feh­len einer ech­ten Dis­kus­si­on die­ser Pro­ble­me im Film. Der Fil­me­ma­cher erklär­te dar­auf­hin, dass ein Doku­men­tar­film als Zeit­do­ku­ment sei­ner Ansicht nach nicht die Auf­ga­be habe, den inter­view­ten Prot­ago­nis­ten zu beleh­ren.
Dis­ku­tiert wur­de auch die Fra­ge, was klei­ne bewaff­ne­te Grup­pen wie die „Japa­ni­sche Rote Armee“ antrieb und ob sol­che Bewe­gun­gen ihre Zie­le errei­chen konn­ten; denn die japa­ni­sche Ent­wick­lung ist ein gutes Bei­spiel dafür, wie Aktio­nen sol­cher Grup­pen eigent­lich nur den Staa­ten etwas nüt­zen, die ihre Über­wa­chung von Men­schen mit dem Kampf gegen ter­ro­ris­ti­sche Aktio­nen legi­ti­mie­ren.

Wolf­gang Sei­fert: War die Expan­si­on des moder­nen Japan „nor­mal“ für eine auf­stre­ben­de Macht? – Die Anne­xi­on Koreas 1910, ihre Recht­fer­ti­gun­gen und die Fol­gen
Den ers­ten Vor­trag am Sonn­tag­mor­gen hielt Wolf­gang Sei­fert. Sein The­ma lau­te­te: „War die Expan­si­on des moder­nen Japan ‚nor­mal‘ für eine auf­stre­ben­de Macht? – Die Anne­xi­on Koreas 1910, ihre Recht­fer­ti­gun­gen und die Fol­gen“. Er ging dar­in der Fra­ge nach, ob Poli­ti­ker und Völ­ker­recht­ler in den west­li­chen Groß­mäch­ten als Befür­wor­ter einer völ­ker­recht­li­chen Kon­flikt­lö­sung auf der korea­ni­schen Halb­in­sel eine Mit­ver­ant­wor­tung für das Ver­schwin­den Koreas von der Land­kar­te der Diplo­ma­tie und in den inter­na­tio­na­len poli­ti­schen Bezie­hun­gen hat­ten. Neben der völ­ker­recht­li­chen Dimen­si­on sprach er auch wei­te­re Dimen­sio­nen an, die für die Legi­ti­mie­rung der Anne­xi­on und die anschlie­ßen­de Kolo­ni­al­herr­schaft durch Japan bedeut­sam waren.
Zuerst zeich­ne­te er nach, wie in den Jah­ren bis 1910 die Anne­xi­on Koreas von Sei­ten der japa­ni­schen Regie­rung in völ­ker­recht­li­cher Hin­sicht vor­be­rei­tet wur­de. Da sich der moder­ne japa­ni­sche Staat in die von den west­li­chen Mäch­ten gepräg­te Staa­ten­ord­nung auch recht­lich inte­grie­ren muss­te, spiel­te das dama­li­ge Völ­ker­recht eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Lega­li­sie­rung der Anne­xi­on. So stellt sich zum Bei­spiel die Fra­ge, ob der so genann­te Anne­xi­ons­ver­trag vom 22.08.1910 legal und völ­ker­recht­lich bin­dend war, da der korea­ni­sche Kai­ser mit phy­si­scher Gewalt zur Unter­zeich­nung gezwun­gen wur­de und das kai­ser­li­che Sie­gel von einem japa­ni­schen Gesand­ten unter den Ver­trag gesetzt wur­de.
Das Völ­ker­recht muss Rege­lun­gen zur Lösung schwie­ri­ger Pro­ble­me fin­den, wie zum Bei­spiel zur Fra­ge, wo die Aneig­nung von Ter­ri­to­ri­um anfängt und ob dies bereits damit geschieht, dass sich ein­zel­ne Ein­wan­de­rer auf dem Ter­ri­to­ri­um eines ande­ren Lan­des nie­der­las­sen, das Gebiet als ter­ra nul­li­us („Nie­mands­land“) dekla­rie­ren und es urbar machen. Hier liegt in der Regel auf Sei­ten des Aneig­nen­den kein Unrechts­be­wusst­sein vor, aber die­se Art der Besied­lung dien­te Kolo­ni­al­mäch­ten oft als Beginn der Aneig­nung von Ter­ri­to­ri­um. Die­ser Fall war bei Korea natür­lich nicht gege­ben.
Wolf­gang Sei­fert beton­te, dass die ers­ten Schrit­te der japa­ni­schen Expan­si­on in Asi­en von der Suche nach Aner­ken­nung durch die west­li­chen Groß­mäch­te moti­viert waren. Die Ansich­ten der ande­ren Staa­ten in Ost­asi­en wur­den als neben­säch­lich betrach­tet. Japan grenz­te sich im spä­ten 19. Jahr­hun­dert von dem bis dahin in Ost­asi­en herr­schen­den Prin­zip der Suze­rä­ni­tät ab, bei dem Chi­na im Zen­trum stand. Die chi­ne­si­sche Vor­macht­stel­lung wur­de bis zum Auf­tre­ten des moder­nen Japan von den ande­ren Staa­ten in der Regi­on durch tri­butä­re Bezie­hun­gen aner­kannt, mit denen sich die­se Staa­ten Chi­na unter­ord­ne­ten.
Das Infra­ge­stel­len die­ser Suze­rä­ni­täts­be­zie­hung von Korea zu Chi­na begann unter japa­ni­schem Druck mit dem Ver­trag von Kangh­wa (1876); denn dar­in wird Korea als ein „inde­pen­dent sta­te“ (自主の国) mit glei­chen Rech­ten (平等の権) wie Japan bezeich­net. Chi­na ver­stand unter „unab­hän­gig“ jedoch, dass die tri­butä­re Bezie­hung bei­be­hal­ten wird. Mit dem Ver­trag von Shi­mo­no­se­ki (1895) soll­te Korea dann end­gül­tig aus dem china‐zentrierten Umkreis her­aus­ge­löst wer­den, wes­halb Japan in die­sem Ver­trag für Korea den Ter­mi­nus „unab­hän­gi­ger und auto­no­mer Staat“ (独立自主の国) (doku­ritsu / inde­pen­dent: aus dem west­li­chen Völ­ker­rechts­dis­kurs) benutz­te.
Danach folg­te aller­dings die gra­du­el­le Über­nah­me von Befug­nis­sen in der korea­ni­schen Regie­rung und Ver­wal­tung nach ver­trag­li­chen Fest­le­gun­gen in den Jah­ren 1904 und 1905 durch japa­ni­sche Bera­ter. 1905 wur­de Korea zu einem japa­ni­schen Pro­tek­to­rat; in den Ver­trä­gen ist fest­ge­legt, dass ohne das Zura­te­zie­hen japa­ni­scher Bera­ter z.B. kei­ne finan­zi­el­len und inter­na­tio­na­len Ange­le­gen­hei­ten des korea­ni­schen Staa­tes ent­schie­den wer­den dür­fen. Gerecht­fer­tigt wur­de das unter ande­rem durch Itō Hiro­bu­mi, der von 1905 bis 1909 ers­ter japa­ni­scher Gene­ral­re­si­dent in Korea war, damit, dass das Land noch nicht den Grad der Zivi­li­sa­ti­on (民度 min­do) erreicht habe, der die Unab­hän­gig­keit ermög­licht. Die Ermor­dung Itōs 1909 durch einen korea­ni­schen Natio­na­lis­ten und Unab­hän­gig­keits­kämp­fer wur­de von japa­ni­scher Sei­te dann als Vor­wand für die Anne­xi­on des Lan­des genom­men. Das Ergeb­nis des Aus­grei­fens Japans auf Korea war damit die Aus­lö­schung eines Staa­tes, der in der tra­di­tio­nel­len Ord­nung Ost­asi­ens durch­aus aner­kannt gewe­sen war.
In der Dis­kus­si­on wur­de die Fra­ge danach dis­ku­tiert, was denn in der dama­li­gen Zeit „nor­mal“ war, bzw. was mit den dama­li­gen völ­ker­recht­li­chen Nor­men über­ein­stimm­te. Da Japan die Begriff­lich­kei­ten in den Ver­trä­gen, die schließ­lich zur Anne­xi­on führ­ten, setz­te, sorg­te die japa­ni­sche Sei­te durch die­se Dis­kur­s­ho­heit dafür, dass das Vor­ge­hen nicht mit den west­li­chen Vor­stel­lun­gen von Völ­ker­recht kol­li­dier­te und in eine „zivi­li­sa­to­ri­sche Mis­si­on“ Japans in Korea ein­ge­bun­den war.

Maik Hen­drik Sprot­te: Ex ori­en­te lux — Über das Nar­ra­tiv eines Lebens und Ster­bens von Moses und Jesus Chris­tus in Japan
In „Ex ori­en­te lux“, dem zwei­ten Vor­trag des Sonn­tags, sprach Maik Hen­drik Sprot­te „Über das Nar­ra­tiv eines Lebens und Ster­bens von Moses und Jesus Chris­tus in Japan“. So befin­det sich in Japan neben einem Moses‐Grab in Hōdatsu-Shimizu in der Prä­fek­tur Ishi­ka­wa auch ein Christus‐Grab im Dorf Shin­go (ehe­mals Herai) in der Prä­fek­tur Aom­ori. Der Legen­de nach, auf der die­ses Grab beruht, über­leb­te Jesus die Kreu­zi­gung und ver­brach­te sei­nen Lebens­abend in Japan. Eine Fami­lie im Dorf Shin­go beruft sich auf die Abstam­mung von Jesus Chris­tus. Die mut­maß­li­che „Ent­de­ckun­gen“ der Grä­ber von Jesus und Moses in den 1930er Jah­ren sind aber nicht etwa in einem christ­li­chen Kon­text ver­ständ­lich, son­dern hän­gen zusam­men mit einem grö­ße­ren Kor­pus von Tex­ten und Arte­fak­ten, den Takeuchi‐Dokumenten (Takeu­chi mon­jo 竹内文書), von denen eine brei­te­re japa­ni­sche Öffent­lich­keit in den 1920er Jah­ren Kennt­nis erhielt.
In den Takeuchi‐Dokumenten ist unter ande­rem ein neu­er Schöp­fungs­my­thos für Japan und eine ande­re Kul­tur­ge­schich­te des Lan­des ent­hal­ten. Die Doku­men­te beschrei­ben Ent­wick­lun­gen, die vor dem statt­ge­fun­den haben sol­len, was in Auf­zeich­nun­gen wie Koji­ki und Nihon­gi auf­ge­führt ist. Die­ser Text­kor­pus lie­fer­te die Begrün­dung für eine, den durch die Macht­ha­ber pro­pa­gier­ten Über­zeu­gun­gen der Zeit völ­lig zuwi­der­lau­fen­de „Reichs­ge­schich­te“ Japans, die sich auf­grund ihrer Inhal­te weit eher als „Welt­ge­schich­te“ offen­bar­te. Die etwa 4000 Tex­te und Arte­fak­te sind ein Kom­pen­di­um von Doku­men­ten und Gegen­stän­den, das die gesam­te Span­ne der japa­ni­schen Geschich­te, von der Schöp­fung der Welt bis in die Anfangs­jah­re der Meiji‐Zeit, abzu­de­cken scheint. Neben Auf­zeich­nun­gen auf Baum­rin­de, Leder oder Papier gehör­ten zu der Samm­lung eben­so Stei­ne mit ver­schie­de­nen, vor­nehm­lich in „Schrift­zei­chen der Göt­ter­zeit“ (kami­yo moji, auch jin­dai moji 神代文字) aus­ge­führ­ten Inschrif­ten.
Als hei­li­ge Schrif­ten einer in Shintō-Tradition ste­hen­den Neu­en Reli­gi­on (shintō-kei shin-shūkyō 神道系新宗教) las­sen sich die Takeuchi‐Dokumente in ihrer religions‐ und poli­tik­wis­sen­schaft­li­chen Exege­se unter dem Dach des reli­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­mus und Natio­na­lis­mus, hier des Shintō-Nationalismus, ver­or­ten.
Die welt­ge­schicht­li­che Dimen­si­on der Doku­men­te besteht u.a. dar­in, dass dar­in behaup­tet wird, dass alle Reli­gi­ons­stif­ter der Welt in Japan geschult wur­den. Auch auf die Zehn Gebo­te gab es laut der Takeuchi‐Dokumente einen japa­ni­schen Ein­fluss; denn nach­dem die ers­te Ver­si­on der Gebo­te nicht vom japa­ni­schen Kai­ser abge­seg­net wor­den war, soll Moses sie zer­stört und dann eine zwei­te Ver­si­on erhal­ten haben, die heu­te als die Zehn Gebo­te gel­ten.
Obwohl die Doku­men­te als Fäl­schun­gen zu klas­si­fi­zie­ren sind, sind sie nichts­des­to­trotz inter­es­sant in ihrem Bei­trag zur Ent­ste­hung der orga­ni­sa­to­ri­schen Struk­tur einer auf ihnen basie­ren­den Neu­en Reli­gi­on, die bis heu­te noch besteht. Inter­es­sant ist auch der zeit­ge­nös­si­sche Umgang mit ihrem Ver­fas­ser Takeu­chi Kiyo­ma­ru, der in der Showa‐Zeit eine gro­ße Anzahl von Anhän­gern für sei­ne neue Reli­gi­on um sich ver­sam­melt hat­te. Ab den 1930er Jah­ren geriet Takeu­chi mit dem Gesetz in Kon­flikt, weil ihm Majes­täts­be­lei­di­gung und die miss­bräuch­li­che Benut­zung von Sym­bo­len der Kai­ser­fa­mi­lie vor­ge­wor­fen wur­de. Auch wur­de ihm wegen sei­ner von der offi­zi­el­len Dik­ti­on abwei­chen­den Schöpfungs‐ und Welt­ge­schich­te Ket­ze­rei vor­ge­wor­fen, und sein Kult wur­de ver­bo­ten. In der Nach­kriegs­zeit gelang es Takeu­chi dann aber, sei­ne Neue Reli­gi­on wie­der­zu­be­le­ben, die nach sei­nem Tod von sei­nem Sohn wei­ter­ge­führt wird.

Das Tref­fen ende­te mit einer kur­zen Dis­kus­si­on über den nächs­ten Tagungs­ort. Das nächs­te Tref­fen wird am 25. und 26. Mai 2019 in Bochum statt­fin­den und von Dani­el Woll­nik und Tino Schölz orga­ni­siert.

(Anke Sche­rer)

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