Protokoll 36–37 (2021)

Protokolle der 36. und 37. Tagung aus dem Jahr 2021:

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36. Tref­fen im Online-Format vom 05.–06. Juni 2021
37. Tref­fen im Online-Format vom 27. Novem­ber 2021

favicon0236. Tref­fen im Online-Format am 05. und 06. Juni 2021:

Das 36. Tref­fen der Initia­ti­ve zur his­to­ri­schen Japan­for­schung fand am 5. und 6. Juni 2021 in einem Online-Format statt und wur­de von Tino Schölz, Julia Bea­trix Süße, Alex­an­der Toby Wolf und Maik Hen­drik Sprot­te (Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin) organisiert.

Vor­trä­ge:
Maria Shi­no­to (Hei­del­berg / Bep­pu): 30 Jah­re archäo­lo­gi­sche For­schun­gen in Japan – von der Japa­no­lo­gie zur Archäologie
Im ers­ten Vor­trag berich­te­te Maria Shi­no­to von ihrer bereits drei Jahr­zehn­te wäh­ren­den archäo­lo­gi­schen For­schung in Japan. Anders als noch in ihrer Stu­di­en­zeit, als sie sich aus­schließ­lich auf schrift­li­che Quel­len stütz­ten muss­te, greift sie für ihre Arbeit auf dem Gebiet der Hayato-Archäologie in Süd-Kyūshū (Satsu­ma, Ōsu­mi) heut­zu­ta­ge auf mate­ri­el­le Hin­ter­las­sen­schaf­ten zurück und nutzt moder­ne Tech­nik wie Lidar zur Unter­su­chung von Fund­stät­ten und che­mi­sche Ana­ly­sen zur Pro­ve­ni­enz­for­schung. Das Volk der Haya­to lässt sich ab der zwei­ten Hälf­te des 7. Jahr­hun­derts nach­wei­sen und sei­ne Eth­no­ge­ne­se reicht wahr­schein­lich in die Yayoi- oder Kofun-Zeit zurück. Zeit­lich und regio­nal ist die Narikawa-Keramik – Irden­wa­re, die von Frau­en an ihre weib­li­chen Nach­kom­men wei­ter­ge­ge­ben wur­de und sich bis ins 9. Jahr­hun­dert eigen­stän­dig ent­wi­ckel­te – mit den Haya­to in Ver­bin­dung zu brin­gen, die Grab­sit­ten hin­ge­gen wei­chen ab. Im Brenn­ofen­zen­trum von Naka­da­ke wur­den mit­tels Lidar eine über­ra­schend hohe Zahl von Kera­mikö­fen (ca. 60) pro­spek­tiert, trotz gro­ßer Ent­fer­nung von der Pro­vinz­ver­wal­tung, die nor­ma­ler­wei­se ein wich­ti­ger Abneh­mer von Kera­mik war. Da auch die vor Ort vor­han­de­nen Roh­stof­fe eine schlech­te Qua­li­tät auf­wei­sen und somit nicht der Grund für die Orts­wahl sein kön­nen, liegt die Ver­mu­tung nahe, dass die Öfen aus Han­dels­grün­den nahe an einem Hafen plat­ziert wur­den. Außer­dem bestand eine star­ke loka­le Unabhängigkeit. 
Einen Schwer­punkt der For­schung bil­den ver­zier­te Grab­tu­mu­li (sōs­ho­ku kofun), Bestat­tun­gen mit Rit­zun­gen und Bema­lun­gen in der Grab­kam­mer und am Ein­gang, von denen wahr­schein­lich über Tau­send exis­tie­ren. Zu ihrer Erfor­schung setzt Maria Shi­no­to Daten­mo­du­lie­rung in Form von aoris­ti­scher Ana­ly­se ein, die zeigt, dass der Bau die­ser kofun im 4. Jahr­hun­dert begann und im 6. Jahr­hun­dert sei­nen Höhe­punkt erreich­te. Ab der ers­ten Hälf­te des 6. Jahr­hun­derts sind figür­li­che Dar­stel­lun­gen, z. B. von Bogen­schüt­zen, zu fin­den, in Ost­ja­pan wer­den zudem vie­le Erzäh­lun­gen bild­lich dar­ge­stellt. Auch Ein­flüs­se aus Nord­ko­rea las­sen sich erkennen.
An den Vor­trag schloss sich eine rege Dis­kus­si­on an, in deren Ver­lauf u. a. dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass auf dem Feld der Archi­tek­tur teils ähn­li­che Schwie­rig­kei­ten bei der zeit­li­chen Ein­ord­nung von Bau­wer­ken bestehen wie in der Archäo­lo­gie. Meh­re­re Fra­gen wur­den zu den Ver­zie­run­gen der Grä­ber gestellt: So ist die Dar­stel­lung von Krö­ten wahr­schein­lich auf chi­ne­si­sche Ein­flüs­se zurück­zu­füh­ren, die genau­en Vor­stel­lun­gen vom Toten­reich zu jener Zeit sind jedoch unge­klärt. Häu­fig fin­den sich auch Son­nen­schei­ben bzw. Spie­gel­dar­stel­lun­gen, die sich aber je nach Ort unter­schei­den und bei den Grä­bern ärme­rer Men­schen als Ersatz für Grab­bei­ga­ben dien­ten. Pro­ble­me bei der Unter­su­chung der Fund­stät­ten berei­ten zum einen gif­ti­ge Insek­ten, zum ande­ren Kera­mik­samm­ler, die die Regi­on in immer grö­ße­rer Zahl auf­su­chen. Plä­ne, Naka­da­ke zum Denk­mal zu erklä­ren, könn­ten die wei­te­re For­schung ganz verhindern.

Alex­an­dra Weber (Hal­le [Saa­le]): Der Ein­fluss euro­päi­scher Rüs­tun­gen auf das Kriegs­e­quip­ment der Samu­rai zur Azuchi-Momoyama- und frü­hen Edo-Zeit
Im zwei­ten Vor­trag des Sams­tags stell­te Alex­an­dra Weber ihre Mas­ter­ar­beit über den „Ein­fluss euro­päi­scher Rüs­tun­gen auf das Kriegs­e­quip­ment der Samu­rai zur Azuchi-Momoyama- und frü­hen Edo-Zeit“ vor. Zur Erfor­schung die­ses The­mas, zu dem es kaum Vor­ar­bei­ten gibt, wen­det sie Metho­den der Kunst­ge­schich­te und teil­wei­se der Archäo­lo­gie an. 
Japa­ni­sche Krie­ger – unter ihnen beson­ders Oda Nobun­ga im Zuge der Reichs­ei­ni­gung – grif­fen ver­stärkt auf west­li­che Waf­fen und Rüs­tun­gen zurück, sodass sich eine rege Import­tä­tig­keit ent­wi­ckel­te. Hel­me, Kür­as­se und Kra­gen­stü­cke aus euro­päi­scher Fer­ti­gung wur­den in japa­ni­sche Rüs­tun­gen inte­griert und dafür häu­fig umge­ar­bei­tet. Den­noch blie­ben deut­li­che Unter­schie­de zur japa­ni­schen Tra­di­ti­on bestehen, so etwa Brust­plat­ten aus einem Stück statt der in Japan übli­chen Lamel­len. Bei den ein­ge­führ­ten Rüs­tungs­tei­len han­del­te es sich zwar um recht ein­fa­che Stü­cke, in Japan wur­den sie jedoch als kost­spie­li­ge Objek­te der Ober­schicht gehan­delt. Bald begann man des­halb, Imi­ta­tio­nen in Japan her­zu­stel­len. Als wäh­rend der Edo-Zeit der prak­ti­sche Nut­zen hin­ter deko­ra­ti­ve und reprä­sen­ta­ti­ve Aspek­te zurück­trat, ent­stan­den rasch zahl­rei­che neue Model­le. Wäh­rend heu­te nur noch drei Ori­gi­nal­rüs­tun­gen aus Euro­pa in Japan erhal­ten sind, exis­tiert eine gro­ße Zahl die­ser Eigen­pro­duk­tio­nen, deren Eigen­schaf­ten und Unter­schie­de die Refe­ren­tin anhand von Illus­tra­tio­nen erörterte. 
Sie wies fer­ner auf die pro­ble­ma­ti­sche Benen­nungs­kon­ven­ti­on die­ser Rüs­tun­gen hin: Zwar wird unter Ver­wen­dung der dama­li­gen japa­ni­schen Bezeich­nung für Euro­pä­er als „Süd­bar­ba­ren“ (nan­ban) zwi­schen nanban-dō („Südbarbaren-Harnisch“) und wasei-naban-dō („Südbarbaren-Harnisch aus japa­ni­scher Fer­ti­gung“) unter­schie­den, die­se Dif­fe­ren­zie­rung ist aber vage und unein­heit­lich, sodass zahl­rei­che von japa­ni­schen Platt­nern her­ge­stell­te Rüs­tun­gen in einer für Lai­en ver­wir­ren­den Wei­se als nanban-dō bezeich­net wer­den. Alex­an­dra Weber plä­diert des­halb für eine Ver­ein­heit­li­chung, indem der Ter­mi­nus nanban-dō ledig­lich für Impor­te aus Euro­pa, der Begriff wasei-naban-dō dage­gen nur für japa­ni­sche Imi­ta­te ver­wen­det wer­den sollte. 
In der Dis­kus­si­on kam die Fra­ge auf, war­um die Japa­ner Umbau­ten an euro­päi­schen Rüs­tungs­tei­len vor­nah­men. Die­se hat­ten zum Zweck, die Rüs­tun­gen leich­ter anzie­hen zu kön­nen. Zudem wur­den der ver­wen­de­te Begriff der „Imi­ta­ti­on“ pro­ble­ma­ti­siert, da er als abwer­tend ver­stan­den wer­den könn­te, sowie der prak­ti­sche Nut­zen einer fei­ne­ren Unter­schei­dung von Rüs­tungs­tei­len nach deren Her­kunft in Zwei­fel gezogen.

Vic­tor Fink (Hei­del­berg): Zur Stel­lung des kan­shi in der Kul­tur­ge­schich­te der Edo-Zeit
Im drit­ten Vor­trag am Sams­tag wid­me­te sich Vic­tor Fink der Stel­lung des kan­shi in der Kul­tur­ge­schich­te der Edo-Zeit. Nach einer Gegen­über­stel­lung ver­schie­de­ner Peri­odi­sie­run­gen der japa­ni­schen Geschich­te gab er einen Über­blick der poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Dimen­si­on der Edo-Zeit. Wäh­rend kan­shi in der Edo-Zeit zunächst als ver­al­te­te kon­fu­zia­ni­sche Scho­las­tik ange­se­hen wur­den, kam es um 1800 in Aus­ein­an­der­set­zung mit Song-zeitlichen Vor­bil­dern zu einer Erneue­rung. Einen Wen­de­punkt stell­ten die Stu­di­en Ogyū Sorais dar. Neben die­sem wid­met sich Vic­tor Fink in sei­ner For­schung vor allem Hoku­zan und Oku­bo Shi­butsu, wobei die Fra­ge nach der Indi­vi­dua­li­tät und Sub­jek­ti­vi­tät der Dich­ter im Mit­tel­punkt steht. Der Refe­rent greift auf Vor­ar­bei­ten von Micha­el Kin­ski, Samu­el H. Yama­shi­ta und Peter Nosco zurück, um eine Theo­re­ti­sie­rung der Edo-Zeit zu ermöglichen. 
In der Dis­kus­si­on wur­de die Fra­ge auf­ge­wor­fen, inwie­weit der von Vic­tor Fink für die Edo-Zeit benutz­te Begriff des Feu­da­lis­mus und die teleologisch-marxistische Geschichts­auf­fas­sung auf Japan anwend­bar sind. Des Wei­te­ren wur­de dis­ku­tiert, ob neben den kan­shi auch ande­re Gedich­te der Zeit in den Blick der Unter­su­chung rücken sollten.

Julia Bea­trix Süße / Alex­an­der Toby Wolf (Ber­lin): Kurz­prä­sen­ta­ti­on: 1. Tagung der „Stu­den­ti­schen Initia­ti­ve Deutsch­spra­chi­ger Japa­no­lo­gie“ (StIDJ)
In einer Kurz­prä­sen­ta­ti­on stell­ten Julia Bea­trix Süße und Alex­an­der Toby Wolf ihr uni­ver­si­täts­über­grei­fen­des Pro­jekt zur Aus­rich­tung einer Tagung von und für Stu­die­ren­de der Japa­no­lo­gie vor (https://stidjapanologie.wordpress.com/) und rie­fen dazu auf, sich mit Vor­trä­gen zu betei­li­gen. Auf der Tagung, die the­ma­tisch in Sek­tio­nen auf­ge­teilt sein wird, sol­len die Stu­die­ren­den ers­te Kon­fe­renz­erfah­run­gen sam­meln kön­nen. Ein­rei­chun­gen sind unter stid.japanologie@gmail.com erbeten.

Tarik Meri­da (Ber­lin): Ein fehl­ge­schla­ge­nes demo­kra­ti­sches Expe­ri­ment? Die Bedeu­tung von Afroamerikaner/innen für Japan
Im vier­ten Vor­trag beschäf­tig­te sich Tarik Meri­da mit der Bedeu­tung von Afroamerikanern/innen für Japan. Wäh­rend bis­he­ri­ge Stu­di­en den Schwer­punkt auf die afro­ame­ri­ka­ni­sche Per­spek­ti­ve gelegt und die Soli­da­ri­tät zwi­schen bei­den Grup­pen von „fel­low vic­tims of racism“ unter­stri­chen hat­ten, beleuch­te­te der Refe­rent die japa­ni­sche Sicht auf Afro­ame­ri­ka­ner Anfang des 20. Jahr­hun­derts. Dabei dekon­stru­ier­te er die Auf­fas­sung, die­se hät­ten Japan als Vor­bild gedient, da sie „far­big, jedoch modern“ gewe­sen sei­en. Tat­säch­lich stell­te Japan Anfang des 20. Jahr­hun­derts inso­fern eine Ano­ma­lie dar, als es zwar zu den wei­ßen Natio­nen gezählt, aber inter­na­tio­nal nicht voll aner­kannt wur­de. Die japa­ni­sche Sicht auf Afro­ame­ri­ka­ner war dabei häu­fig ambi­va­lent, näm­lich von Empa­thie sowohl für die afro­ame­ri­ka­ni­sche als auch die wei­ße Bevöl­ke­rung der USA geprägt.
Mit wach­sen­der Dis­kri­mi­nie­rung von Japa­nern in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten Anfang des 20. Jahr­hun­derts wuchs auch das japa­ni­sche Inter­es­se an der Behand­lung von Afro­ame­ri­ka­nern. Einer­seits bot sich so die Mög­lich­keit, Kri­tik am Umgang der USA mit ande­ren „Ras­sen“ zu üben. Ande­rer­seits wur­den Afro­ame­ri­ka­ner von japa­ni­scher Sei­te aber oft als unreif, trieb­ge­bun­den, unselb­stän­dig und faul ange­se­hen. Da sie ver­meint­lich ihre Rech­te und Chan­cen nicht nutz­ten, galt ihre Eman­zi­pa­ti­on als geschei­ter­tes demo­kra­ti­sches Expe­ri­ment. So konn­te der Kon­trast zu Japan betont wer­den, dem Rech­te ver­wehrt blie­ben, die Afro­ame­ri­ka­ner genös­sen, obwohl sie sie eigent­lich nicht ver­dient hät­ten. Im Anschluss ent­spann sich eine Dis­kus­si­on dar­über, wie Kolo­nia­lis­mus zu defi­nie­ren ist und ob sein Vor­han­den­sein den moder­nen Natio­nal­staat vor­aus­setzt oder auch unab­hän­gig davon vor­kom­men kann.

Juli­us Becker (Pots­dam): Die glo­ba­le Wir­kung des Ers­ten Chinesisch-Japanischen Krieges
Als letz­ter Pro­gramm­punkt des Sams­tags prä­sen­tier­te Juli­us Becker sein Dis­ser­ta­ti­ons­pro­jekt zur glo­ba­len Wir­kung des Ers­ten Chinesisch-Japanischen Krie­ges. Dabei zeich­ne­te er die Inter­es­sen und das Han­deln der gro­ßen euro­päi­schen Mäch­te gegen­über Chi­na und Japan nach. Wäh­rend Groß­bri­tan­ni­en etwa von einer ursprüng­lich pro-chinesischen zu einer japan­freund­li­chen Hal­tung über­ging, näher­te sich Deutsch­land immer mehr Chi­na an. Dabei wur­de häu­fig euro­päi­sche Poli­tik auf Ost­asi­en pro­ji­ziert, Ter­ri­to­ri­al­in­ter­es­sen und Alli­an­zen spiel­ten eine ent­schei­den­de Rol­le. Bis­he­ri­ge Stu­di­en stütz­ten sich auf Zei­tungs­be­rich­te in Asi­en; Akten in den euro­päi­schen Außen­mi­nis­te­ri­en fan­den jedoch kaum Beachtung.
Juli­us Becker zieht hin­ge­gen neben der ein­schlä­gi­gen Sekun­där­li­te­ra­tur, Zei­tun­gen und zeit­ge­nös­si­scher Lite­ra­tur auch Akten­be­stän­de des deut­schen, fran­zö­si­schen und bri­ti­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums sowie Bank­ar­chi­ve her­an, um fol­gen­den For­schungs­fra­gen nach­zu­ge­hen: Wie ver­än­der­te sich die Außen- und Kolo­ni­al­po­li­tik? Wel­che Rol­le spiel­ten wirt­schafts­po­li­ti­sche Aspek­te? Wie wan­del­te sich das Japan- und Chi­na­bild? Wel­chen Ein­fluss hat­te die Bericht­erstat­tung auf die Außenpolitik?
Im Anschluss wur­de die Fra­ge dis­ku­tiert, wie die Rol­le der chi­ne­si­schen und japa­ni­schen Akteu­re berück­sich­tigt wer­den könn­te und ob und inwie­weit sich deren Han­deln in der eng­lisch­spra­chi­gen Kor­re­spon­denz wider­spie­ge­le. Fer­ner wur­de die Gefahr the­ma­ti­siert, aus euro­päi­schen Quel­len ein zu posi­ti­ves Japan­bild zu über­neh­men, da Japan effek­ti­ve­re Pro­pa­gan­daar­beit betrieb als Chi­na. Hin­ter­fragt wur­de auch, ob die Aus­wahl der Quel­len sich nicht zu stark auf staat­li­che Akteu­re konzentriere.

Fabi­en­ne Hofer-Uji (Ōsa­ka): Der deut­sche Ein­fluss auf die japa­ni­sche Kolonialpolitik
Den ers­ten Pro­gramm­punkt am Sonn­tag bil­de­te Fabi­en­ne Hofer-Ujis Vor­trag zum deut­schen Ein­fluss auf die japa­ni­sche Kolo­ni­al­po­li­tik. Die Arbeit kon­zen­triert sich auf die Geschich­te Tai­wans als Kolo­nie. Laut dem bis­he­ri­gen For­schungs­stand schwank­te die japa­ni­sche Kolo­ni­al­po­li­tik dort zwi­schen dem bri­ti­schen Modell (Kron­ko­lo­nie wie Cey­lon oder Hong­kong) und dem fran­zö­si­schen (Anne­xi­on wie in Alge­ri­en). Jedoch spre­chen Fabi­en­ne Hofer-Uji zufol­ge vier Grün­de dafür, dass es auch zu einer Beein­flus­sung durch Deutsch­land kam: 1.) Der Beginn der Kolo­ni­al­zeit fällt in das gol­de­ne Zeit­al­ter der deutsch-japanischen Bezie­hun­gen wäh­rend der 1870er bis 1890er Jah­re. 2.) In der Gou­ver­neurs­re­gie­rung auf Tai­wan waren vie­le japa­ni­sche Beam­te mit Deutsch­lan­der­fah­rung tätig. 3.) Häu­fig fin­den sich Ver­wei­se auf deut­sche Metho­den in offi­zi­el­len Unter­su­chun­gen der Behör­den. 4.) Unter allen erwähn­ten Län­dern ist Deutsch­land in den Berich­ten regie­rungs­na­her Zeit­schrif­ten am dritt­häu­figs­ten ver­tre­ten. Somit lässt sich ein Inter­es­se der Gou­ver­neurs­re­gie­rung an Deutsch­land konstatieren. 
Dabei liegt der Schwer­punkt der Unter­su­chung auf der ers­ten Pha­se der japa­ni­schen Kolo­ni­al­herr­schaft zwi­schen 1895 und 1919 sowie auf vier hoch­ran­gi­gen Beam­ten mit Deutsch­lan­der­fah­rung im Umfeld des Gou­ver­neurs Gotō Shim­pei, dar­un­ter der Jurist Okamatsu San­t­arō, der die „alten Bräu­che“ Tai­wans unter Rück­griff auf euro­päi­sche rechts­wis­sen­schaft­li­che Metho­den unter­such­te. Die Dis­ser­ta­ti­on posi­tio­niert sich inner­halb der Glo­bal Histo­ry und greift Fou­caults Kon­zept der Gou­ver­ne­men­ta­li­tät auf. Da die Stu­die in ihrer jet­zi­gen Form zu umfang­reich ist, plant die Refe­ren­tin, sich auf die Inspek­tio­nen deut­scher Kolo­ni­al­ge­bie­te zu beschränken.
Im Anschluss wur­de dis­ku­tiert, wie die Dis­ser­ta­ti­on sich von Nadi­ne Heés Stu­die zur japa­ni­schen Kolo­ni­al­po­li­tik auf Tai­wan unter­schei­de. Fabi­en­ne Hofer-Uji gab zu beden­ken, dass sich Heé spe­zi­ell mit Gewalt­struk­tu­ren befasst und sich nicht nur auf den Anfang der Kolo­ni­al­zeit beschränkt. Einen wei­te­ren Dis­kus­si­ons­punkt stell­te der Begriff des Ein­flus­ses dar: Statt eines direk­ten Trans­fers ist es ange­mes­se­ner, von Dif­fu­si­on zu spre­chen. Zudem soll­ten bei der Unter­su­chung der Rezep­ti­on aus­län­di­scher Vor­bil­der stets auch die Vor­prä­gung und Inter­es­sen der japa­ni­schen Akteu­re berück­sich­tigt wer­den. Zuletzt wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich der deut­sche Ein­fluss am bes­ten durch Kon­tras­tie­rung mit den fran­zö­si­schen und bri­ti­schen Model­len her­aus­ar­bei­ten lässt.

Jul­jan Bio­n­ti­no (Chi­ba): Der Berg Nam­san in Seo­ul als Schau­platz der japa­ni­schen Assi­mi­la­ti­ons­po­li­tik (1890–1945)
Im zwei­ten Vor­trag am Sonn­tag griff Jul­jan Bio­n­ti­no das The­ma sei­ner Dis­ser­ta­ti­on, „Der Berg Nam­san in Seo­ul als Schau­platz der japa­ni­schen Assi­mi­la­ti­ons­po­li­tik (1890–1945)“ auf, deren Ver­öf­fent­li­chung er zur­zeit vor­be­rei­tet. Für sei­ne Unter­su­chung zog der Refe­rent die Ansät­ze der Erin­ne­rungs­kul­tur und der Ritu­al­theo­rie heran.
Seit dem spä­ten 19. Jahr­hun­dert ent­stan­den um den Nam­san, dem tra­di­tio­nell eine Schutz­funk­ti­on für die Stadt Seo­ul zuge­schrie­ben wur­de, japa­ni­sche Schrei­ne sowie ver­ein­zel­te Tem­pel, bis der Berg zur Zeit des Zwei­ten Welt­kriegs schließ­lich kom­plett von japa­ni­schen reli­giö­sen Stät­ten umge­ben war. Schon 1893 wur­den japa­ni­sche Sied­ler­schrei­ne errich­tet, ab 1916 bestand der Kei­jō jin­ja als Schutz­schrein von Seo­ul. Von 1936 an soll­te dort durch Ver­eh­rung einer neu kre­ierten korea­ni­schen Shintō-Gottheit auch die korea­ni­sche Bevöl­ke­rung ein­be­zo­gen wer­den. 1925 wur­de der Chō­sen jin­gū, der größ­te Schrein Koreas, auf dem Nam­san ein­ge­weiht, an dem neben Ama­terasu auch der Meiji-Tennō ver­ehrt wur­de. Suk­zes­si­ve wur­de die Teil­nah­me an den dor­ti­gen Ritua­len ver­pflich­tend, sodass es zu einer Dis­kri­mi­nie­rung von Korea­nern und einem Ein­drin­gen in die Sphä­re pri­va­ter Reli­gio­si­tät kam. Hin­zu trat die Nut­zung der Schrei­ne für die Ver­eh­rung korea­ni­scher Sol­da­ten in der japa­ni­schen Armee. Itō Hiro­bu­mi wie­der­um wur­de der bud­dhis­ti­sche Tem­pel Haku­bun­ji gewid­met. Auf die­se Wei­se dien­te der Nam­san als Basis der japa­ni­schen Assi­mi­la­ti­ons­po­li­tik, indem er sowohl genutzt wur­de, um die korea­ni­sche Bevöl­ke­rung über die Bräu­che und Kul­tur Japans auf­zu­klä­ren sowie deren Aner­ken­nung in der Kolo­nie zu för­dern, als auch eine Rol­le als Ort der Loya­li­täts­be­kun­dung gegen­über den Kolo­ni­al­her­ren spielte. 
In der Dis­kus­si­on wur­de ein ver­glei­chen­des Pro­jekt zur Assi­mi­la­ti­ons­po­li­tik in Tai­wan und Korea ange­regt, das jedoch bereits läuft. Fer­ner wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es Bemü­hun­gen in Korea gab, die japa­ni­sche Assi­mi­la­ti­ons­po­li­tik für die recht­li­che Gleich­stel­lung von Korea­nern zu kooptieren.

Aya­ko Ito (Kas­sel): Shi­ni­chi Suzu­ki und sein Bei­trag zur Musik­pro­pa­gan­da im impe­ria­lis­ti­schen Japan
Den drit­ten Vor­trag am Sonn­tag hielt Aya­ko Ito zu ihrer Dis­ser­ta­ti­on über den Gei­ger Shi­ni­chi Suzu­ki und sei­nen Bei­trag zur Musik­pro­pa­gan­da im impe­ria­lis­ti­schen Japan. Die nach ihm benann­te Suzuki-Methode wird welt­weit ein­ge­setzt, um Kin­dern ab drei Jah­ren das Spie­len nach Gehör und anfangs ohne Noten bei­zu­brin­gen. Seit den 1970er Jah­ren kommt die­ser instru­men­tal­päd­ago­gi­sche Ansatz auch in Deutsch­land zur Anwen­dung. In der öffent­li­chen Wahr­neh­mung stößt die Suzuki-Methode auf ein geteil­tes Echo: Wäh­rend Kri­ti­ker stren­gen Drill und end­lo­se Wie­der­ho­lun­gen als Erzie­hung zur Kon­for­mi­tät anpran­gern, schät­zen die Befür­wor­ter den reform­päd­ago­gi­schen und kind­ge­rech­ten Ansatz sowie den Kos­mo­po­li­tis­mus der Metho­de. Auch die For­schung betont bis­lang die kos­mo­po­li­ti­sche Ten­denz Suzu­kis und sei­nes Werks, eine gründ­li­che his­to­ri­sche Auf­ar­bei­tung hat jedoch bis­her nicht stattgefunden. 
Anhand sei­ner Schrif­ten zeig­te die Refe­ren­tin auf, dass Suzu­kis Den­ken natio­na­lis­ti­sche Züge auf­wies. In der ers­ten Mono­gra­fie zu sei­ner Metho­de aus dem Jahr 1941 lob­te er das neue Tennō-zentrierte Grund­schul­ge­setz und sprach sich dafür aus, aus­län­di­sche Ein­flüs­se zurück­zu­drän­gen. Er unter­stütz­te die impe­ria­lis­ti­sche Gesin­nung und argu­men­tier­te, da Japan ande­ren Län­dern über­le­gen sei, müs­se es auf frem­de Unter­richts­me­tho­den ver­zich­ten. Suzu­ki schweb­te die Erzie­hung guter Men­schen im Sin­ne der japanisch-konfuzianischen Tugend­idea­le vor. Nach dem Krieg schwäch­te sich die­se Gesin­nung ab, blieb aber im Kern bestehen. So behaup­te­te Suzu­ki 1946, die Kom­ple­xi­tät einer Spra­che kor­re­spon­die­re mit der kul­tu­rel­len Leis­tung eines Vol­kes, und lei­te­te dar­aus einen Über­le­gen­heits­an­spruch der japa­ni­schen Spra­che und Kul­tur ab. Er glaub­te wei­ter­hin an die Kon­trol­lier­bar­keit und Form­bar­keit des Men­schen, der durch Musik erzo­gen wer­den sol­le. In sei­ner Sicht des Kin­des als „Tabula-Rasa“, das durch Erzie­hung erst geformt wer­den muss, über­nahm Suzu­ki Tei­le von Alexis Car­rels Men­schen­bild, das sich auch in der Suzuki-Methode wider­spie­gelt. Talent ver­stand Suzu­ki als etwas, das sich der Mensch aneig­nen muss. Durch Musik soll­ten Kin­der von Ego­is­mus und Unge­hor­sam gerei­nigt und zu guten Men­schen erzo­gen werden.
Im Anschluss an den Vor­trag wur­de dis­ku­tiert, wie Suzu­kis Kri­tik am japa­ni­schen Staat im Jahr 1941 zu deu­ten ist, die auf der frei­en Erzie­hung der Taishō-Zeit fuß­te, und wie er die Ideen der 1920er Jah­re rezi­pier­te. Eben­falls kam die Fra­ge auf, wie viel sei­nes Gedan­ken­guts tat­säch­lich von Suzu­ki selbst stammt und wel­cher Teil er von ande­ren über­nom­men hat. Schließ­lich wur­de bespro­chen, ob der Natio­na­lis­mus­be­griff auf Suzu­ki zutrifft oder es sich in sei­nem Fall um Ras­sis­mus handelt.

Der letz­te Vor­trag, der die Dis­kri­mi­nie­rung von Homo­se­xua­li­tät in Japan the­ma­ti­sie­ren soll­te, muss­te aus gesund­heit­li­chen Grün­den kurz­fris­tig ausfallen.

Das nächs­te, 37. Tref­fen der Initia­ti­ve wird wie­der in einem digi­ta­len For­mat statt­fin­den. Zu gege­be­ner Zeit wird der Ter­min bekannt­ge­ge­ben. Das Tref­fen wird von Julia Bea­trix Süße und Alex­an­der Toby Wolf (bei­de FU Ber­lin) organisiert.

(Dani­el Gerichhausen)

favicon0137. Tref­fen im Online-Format am 27. Novem­ber 2021:

Das 37. Tref­fen der Initia­ti­ve zur his­to­ri­schen Japan­for­schung fand am 27. Novem­ber 2021 in einem Online-Format statt und wur­de von Julia Bea­trix Süße und Alex­an­der Toby Wolf (Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin) organisiert.

Vor­trä­ge:
Chris­toph Rei­chen­bä­cher (Nagaku­te): „Drei Tage Schön­wet­ter auf dem Lan­de“ – Sumō-Ringer im rura­len Japan des frü­hen 19. Jahrhunderts
Chris­toph Rei­chen­bä­cher dis­ku­tier­te ein Kapi­tel sei­ner Dok­tor­ar­beit zum The­ma Sumō-Ringen als Bei­spiel urba­ner, pro­fes­sio­na­li­sier­ter Unter­hal­tungs­for­men und deren Aus­brei­tung im rura­len vor­mo­der­nen Japan. Bei die­ser kultur- und sozi­al­his­to­ri­schen Unter­su­chung steht der Zeit­raum zwi­schen 1770 und etwa 1890 im Mit­tel­punkt. Es geht dar­in um den Sta­tus der Rin­ger in einer sich wan­deln­den Umwelt sowie die Her­aus­bil­dung eines Status-quo, der den Regeln der Regie­ren­den Rech­nung trug und den­noch eine freie Aus­übung des Rin­gens ermög­lich­te. Dabei steht die Fra­ge im Raum: Wer sorg­te wie dafür, dass Rin­ger in Dör­fer kamen, dort Geld ver­die­nen und die­se Tätig­keit regel­mä­ßig wie­der­ho­len konnten? 
Zuerst gab Chris­toph Rei­chen­bä­cher einen Über­blick über die Geschich­te des Sumō in der Edo-Zeit. So gab es zu Beginn der Edo-Zeit noch drei Auf­füh­rungs­ar­ten des Sumō: (1) das soge­nann­te Bene­fiz­su­mō für Schrein- und Tem­pel­bau­ten, bei denen Rin­ger antra­ten, die dies im Neben­be­ruf aus­üb­ten, (2) Votiv­ver­an­stal­tun­gen, also Tur­nie­re bei Tem­peln und Schrei­nen, die als Dar­bie­tun­gen für Gott­hei­ten gedacht waren, und (3) Stra­ßen­tur­nie­re, die als Ad-hoc-Turniere statt­fan­den. Im Lauf des 17. Jahr­hun­derts wur­den die Sumō-Turniere, was die Teil­neh­men­den und Auf­füh­rungs­or­te betrifft, ver­re­gelt und ein­ge­grenzt. Im Lau­fe des 18. Jahr­hun­derts hat­ten sich in japa­ni­schen Burg­städ­ten und den drei Metro­po­len – Edo, Ōsa­ka und Kyō­to – zahl­rei­che Grup­pen eta­bliert, die Unter­hal­tung für die Bewoh­ner gegen einen Obo­lus dar­bo­ten. Im Geist der Zeit galt es den poli­tisch Herr­schen­den aber als zu unsi­cher, pro­fes­sio­na­li­sier­te Rin­ger in städ­ti­schen Gebie­ten anzu­sie­deln. Das Sho­gu­nat sorg­te des­halb mit Edik­ten unter ande­rem für ein Mono­pol der Rin­ger aus Edo (1743). Ab den 1750er Jah­ren wur­den Sumō-Turniere abge­hal­ten, die regel­mä­ßig auf Büh­nen vor zah­len­dem Publi­kum statt­fan­den. Drei Jahr­zehn­te spä­ter erfolg­te eine Ein­gren­zung der Tätig­keit auf umher­rei­sen­de Pro­fes­sio­nel­le (1773). Damit erhielt die Sumō-Gesellschaft eine Mono­pol­stel­lung. Infol­ge die­ser neu­en recht­li­chen Grund­la­ge ver­än­der­ten sich die ent­wi­ckel­ten Trai­nings­grup­pen grund­le­gend. Auf ihren Wegen zu den jähr­lich abge­hal­te­nen Tur­nie­ren in den drei Metro­po­len reis­ten die Rin­ger nun durch die Regio­nen und waren ange­hal­ten, Ein­kom­men durch geson­der­te Vor­füh­run­gen zu ver­die­nen. Die bekann­tes­te Quel­le für die­se Akti­vi­tät ist der Rei­se­be­richt des Rai­den Tame’emon (1767–1828) „Notiz­buch zu Sumō in allen Län­dern“ (Sho-koku sumō hikaechō) aus den Jah­ren 1790 bis 1812. In der Kansai-Zeit Ende des 18. Jahr­hun­derts ent­stand der Rang des Yoko­zu­na sowie Regeln zum Auf­bau einer Sumō-Wettkampfstätte, die Tra­di­ti­on von Ring­rich­tern sowie eine selbst­or­ga­ni­sier­te Hier­ar­chie der Sumō-Trainingsgruppen. Anfang des 19. Jahr­hun­derts wur­de ein Lizenz­sys­tem ein­ge­führt, bei dem es drei Arten von Lizen­zen gab: Lizen­zen für die Form des Rings bzw. der Tur­nier­form, Lizen­zen für die teil­neh­men­den Rin­ger sowie Lizen­zen für die loka­le Orga­ni­sa­ti­on. Damit wur­den Sumō-Turniere auf dem Land zu pro­fes­sio­nell orga­ni­sier­te Ver­an­stal­tun­gen. Unklar bleibt in den Auf­zeich­nun­gen zu den Regeln über die Ver­an­stal­tung von Tur­nie­ren neben der genau­en Orga­ni­sa­ti­on der rura­len Son­der­ex­hi­bi­tio­nen aller­dings die Kon­takt­an­bah­nung der Rei­sen­den mit ört­li­chen Sumō-Enthusiasten. Die­ses so in der Edo-Zeit eta­blier­te Sys­tem ver­schwand nicht mit dem Beginn der Meiji-Zeit, aber es gab im Lauf der Zeit wei­te­re Ver­än­de­run­gen in der Orga­ni­sa­ti­on der Sumō-Turniere und Regeländerungen.
In der Dis­kus­si­on wur­de dann die Fra­ge nach einer natio­na­len Hier­ar­chie der Sumō-Ringer gestellt. In der Vor­mo­der­ne gab es noch kein Ran­king­sys­tem, wie es heut­zu­ta­ge genutzt wird, und in dem Auf- und Abstieg mög­lich sind. Die Fra­ge danach, ob Samu­rai Rin­ger sein durf­ten, wur­de dahin­ge­hend beant­wor­tet, dass Samu­rai sich als Rin­ger betä­ti­gen durf­ten, aber dabei auf ihren hohen sozia­len Sta­tus hät­ten ver­zich­ten müs­sen, was eine Kar­rie­re als Sumō-Ringer für sie rela­tiv unat­trak­tiv mach­te. Dem Sumō-Ringen ähn­li­che Wett­be­wer­be, wie z.B. Schwert­du­el­le, gab es nicht.
Wei­ter­hin wur­de in der Dis­kus­si­on geklärt, dass die Sumō-Älteren an den Lizen­zen, die für das Aus­rich­ten von Sumō-Turnieren ver­ge­ben wur­den, ver­dien­ten, und einer der Grün­de dafür war, dass das Sho­gu­nat nach und nach die Aus­übung von Sumō als Auf­füh­rungs­kunst ver­re­gel­te, dass die Regie­ren­den damit eine Grup­pe in der Bevöl­ke­rung kon­trol­lie­ren woll­ten, von denen poten­ti­ell Gewalt aus­ge­hen konnte.
Als abschlie­ßen­der Punkt wur­de dar­über dis­ku­tiert, inwie­weit eine Unter­su­chung der Struk­tu­ren, in denen Sumō in der Edo-Zeit statt­fin­den konn­te, etwas über die tat­säch­li­che Aus­übung des Sumō aus­sa­gen kann; denn die in der Arbeit genutz­ten Quel­len über Struk­tu­ren sagen nicht zwin­gend etwas über Per­form­anz aus. Es han­delt sich hier­bei um ein gene­rel­les Pro­blem bei der Erfor­schung der Popu­lär­kul­tur in der Vor­mo­der­ne, bei der Quel­len zur Struk­tur gegen­über den Quel­len über die tat­säch­li­che Auf­füh­rungs­pra­xis über­wie­gen. Sumō als popu­lä­re Unter­hal­tungs­form nimmt im Kon­text der Popu­lär­kul­tur aller­dings inso­fern eine Son­der­stel­lung ein, als dass hier nicht wie bei ande­ren For­men der Popu­lär­kul­tur das Phä­no­men vom Land in die Stadt getra­gen wur­de, son­dern sich das Sumō der Edo-Zeit in umge­kehr­ter Rich­tung von der städ­ti­schen Kul­tur in die Flä­che verbreitete.

Valen­tin Deb­ler (Bonn): Schrift­zei­chen­va­ri­an­ten im Japan des 7. und 8. Jahrhunderts
Im zwei­ten Vor­trag befass­te sich Valen­tin Deb­ler mit der Fra­ge, wie es um das Schrift­bild der japa­ni­schen Schrift­zei­chen in Japan in der Asuka- bzw. Nara-Zeit bestellt war. So ist man heut­zu­ta­ge dar­an gewöhnt, dass es wenigs­tens inner­halb eines der ost­asia­ti­schen Län­der nur ein bis zwei Schrift­zei­chen als Stan­dard gibt, die man für einen Begriff benutzt. Die­ser Stan­dard wird streng ein­ge­hal­ten und bereits ein Hin­zu­fü­gen oder Weg­las­sen eines Strichs wird als Feh­ler betrach­tet. Auf­grund von zahl­rei­chen Aus­gra­bun­gen his­to­ri­scher Arte­fak­te in den letz­ten 50 bis 60 Jah­ren ist es jetzt mög­lich, das Schrift­bild der Asuka- und Nara-Zeit zu unter­su­chen. Die häu­figs­ten Objek­te, auf denen Schrift zu sehen ist, sind die soge­nann­ten mok­kan (Holz­tä­fel­chen).
Durch die­se Objek­te, von denen bis­her cir­ca 55.000 durch das Nara Bun­k­a­zai Kenkyūsho (For­schungs­in­sti­tut für Kul­tur­gü­ter in Nara) digi­ta­li­siert wur­den, lässt sich mehr über die Ent­wick­lung der Schrift in Japan und das damals ver­brei­te­te Schrift­bild fest­stel­len. Ganz offen­sicht­lich hat­ten die Beam­ten eine höhe­re Tole­ranz gegen­über ver­schie­de­nen Schreib­wei­sen eines Wor­tes. Die Metho­dik zur Bestim­mung der Schriftzeichen-Variation wird von Imre Galam­bos über­nom­men, der die­se anhand der chi­ne­si­schen Zei­chen zur Zeit der Strei­ten­den Rei­che (Guo­di­an Manu­skrip­te und Bünd­nis­in­schrif­ten aus Hou­ma) ent­wi­ckel­te. Die­ser Ansatz soll auf drei der fünf­zig häu­figs­ten Wör­ter auf Holz­tä­fel­chen (aus der San‘in-Region) ange­wen­det wer­den. Auf die­se Wei­se kön­nen die Über­trag­bar­keit sei­nes Ansat­zes getes­tet und, falls mög­lich, vor­kom­men­de Vari­an­ten bestimmt werden.
Die drei zu ana­ly­sie­ren­den Wör­ter sind „Pro­vinz“, „Bezirk“ und „Dorf“ und waren haupt­säch­lich auf Eti­ket­ten für Steu­er­sen­dun­gen nötig, wes­halb die drei genann­ten geo­gra­fi­schen Begrif­fe sehr häu­fig vor­ka­men. Wei­ter­hin soll der Fra­ge nach­ge­gan­gen wer­den, ob, wie in Chi­na, auch in Japan inner­halb einer ein­zi­gen Regi­on (viel­leicht selbst in einer ein­zi­gen Pro­vinz), bereits ver­schie­de­ne Vari­an­ten für die Dar­stel­lung die­ser Wör­ter genutzt wur­den, und ob es den­noch einen gewis­sen Stan­dard gege­ben haben mag. Daher wird zunächst nur eine Regi­on (San‘in-Region), von der aus Steu­ern in die Haupt­stadt geschickt wur­den, untersucht.
Ers­te Aus­wer­tun­gen erga­ben, dass es im unter­such­ten Kor­pus für das Wort „Pro­vinz“ kein Bei­spiel für die heu­ti­ge Schreib­wei­se gibt. Viel­mehr gibt es fünf Vari­an­ten, von denen drei unge­fähr gleich häu­fig waren, zwei wei­te­re Vari­an­ten hin­ge­gen sel­ten genutzt wur­den. Die am meis­ten genutz­te Vari­an­te stimmt mit der heu­te als Lang­zei­chen genutz­ten Vari­an­te über­ein (國).
In der Dis­kus­si­on wur­de dann erör­tert, wie die Beam­ten in der Haupt­stadt mit den ver­schie­de­nen Vari­an­ten umgin­gen. Dabei zeigt sich eine gewis­se Prä­fe­renz für bestimm­te Vari­an­ten in bestimm­ten Pro­vin­zen, aber die Fra­ge danach, ob es sich bei den regio­na­len Vari­an­ten viel­leicht um den­sel­ben Ver­fas­ser bei einer Vari­an­te han­deln kön­ne, kann nicht beant­wor­tet wer­den, da sich die Namen der Ver­fas­ser nicht immer auf den mok­kan fin­den. Gene­rell war die Vari­an­ten­an­zahl und die all­ge­mei­ne Tole­ranz für Anders­schrei­bun­gen in der Asuka- und Nara-Zeit rela­tiv hoch.
Bei der Fra­ge nach der Wort­aus­wahl wur­de geklärt, dass es nicht sinn­voll ist, die wirk­lich häu­figs­ten Wör­ter zu neh­men, da es sich hier­bei um vie­le All­tags­wör­ter han­delt, die zu schlicht im Auf­bau sind, als dass es vie­le Varia­ti­ons­mög­lich­kei­ten gäbe. Die für die Unter­su­chung aus­ge­wähl­ten Wör­ter sind hin­ge­gen sowohl häu­fig als auch kom­plex genug, um sinn­voll mit Vari­an­ten zu operieren.
In der Dis­kus­si­on über die Fra­ge, wel­che Rol­le Schrift­zei­chen spiel­ten, die rein für ihren Laut­wert ein­ge­setzt wur­den, wur­de dar­auf ver­wie­sen, dass dies eine ande­re Fra­ge­stel­lung sei, näm­lich nach dem Gebrauch von Schrift­zei­chen und nicht nach der Schreib­wei­se eines bestimm­ten Zei­chens. Im For­schungs­pro­jekt soll die Vari­anz der Schrift­zei­chen, nicht die Vari­anz in der Spra­che, unter­sucht werden.
Hin­ge­wie­sen wur­de dar­auf, dass die Über­set­zung „Dorf“ für sato für die Azuka- und Nara-Zeit ahis­to­risch ist, da man für die Zeit noch nicht von Dör­fern im heu­ti­gen Wort­sinn aus­ge­hen kann und des­halb die abs­trak­te Bezeich­nung „Ver­wal­tungs­ein­heit“ bes­ser sein könn­te. Auch ein Abgleich des Schrift­ge­brauchs in der Zen­tra­le mit den aus den ver­schie­de­nen Pro­vin­zen stam­men­den mok­kan wur­de vorgeschlagen.

Estel­la Green (Bochum): „West­li­cher als der Wes­ten“ — Das Japa­ni­sche Rote Kreuz (JRK) im Russisch-Japanischen Krieg 1904-05
Der Vor­trag behan­del­te die Grün­dung, die Struk­tur und das Wachs­tum des JRK, um die Fra­ge nach dem Ein­satz des JRK wäh­rend des Russisch-Japanischen Krie­ges und des­sen west­li­che Rezep­ti­on zu behan­deln. Die Grün­dung der Japa­ni­schen Rotkreuz-Gesellschaft 1887 ist in den Kon­text der Meiji-Restauration und das Bestre­ben der japa­ni­schen Regie­rung, von west­li­chen Staa­ten als zivi­li­sier­te Nati­on aner­kannt zu wer­den, ein­zu­ord­nen. Der vom JRK ver­tre­te­ne Huma­ni­ta­ris­mus ist daher als außen­po­li­ti­sche Stra­te­gie zu ver­ste­hen. Dabei wur­de Huma­ni­ta­ris­mus – anders als in der christ­lich gepräg­ten Tra­di­ti­on des Wes­tens – mit Patrio­tis­mus asso­zi­iert. Ande­re Unter­schie­de zu west­li­chen huma­ni­tä­ren Gesell­schaf­ten war die star­ke zen­tra­le Steue­rung des JRK sowie die ver­gleichs­wei­se hohen Mit­glie­der­zah­len in Japan. Schon im chinesisch-japanischen Krieg spiel­te das JRK eine wich­ti­ge Rol­le, vor allem auch beim Rück­trans­port von Ver­wun­de­ten auf Laza­rett­schif­fen. Der russisch-japanische Krieg war der ers­te Krieg des 20. Jahr­hun­derts zwi­schen Groß­mäch­ten, der dann auch noch medi­al zu ver­fol­gen war. Das japa­ni­sche Mili­tär prä­sen­tier­te sich in die­sem Krieg als ein Kriegs­teil­neh­mer, der sich ganz beson­ders an die Regeln hält, um damit zu zei­gen, dass das Land Mit­glied im Club der zivi­li­sier­ten Natio­nen war.
Der Vor­trag unter­such­te west­li­che Quel­len, die den Ein­satz des JRK im Russisch-Japanischen Krieg kom­men­tie­ren, um den Erfolg oder Miss­erfolg die­ser Stra­te­gie bewer­ten zu kön­nen. Da der Russisch-Japanische Krieg nicht nur ein wich­ti­ger inter­na­tio­na­ler Auf­tritt des japa­ni­schen Kai­ser­rei­ches war und daher für die Meiji-Regierung gro­ße außen­po­li­ti­sche Wich­tig­keit mit sich brach­te, son­dern auch als ers­ter gro­ßer Krieg des neu­en Jahr­hun­derts ein Ereig­nis welt­wei­ter Bri­sanz dar­stell­te, hat­te der Ein­satz des JRK wäh­rend die­ses Kon­flik­tes ein inter­na­tio­na­les Publi­kum. Aus den her­an­ge­zo­ge­nen Quel­len geht eine Bewun­de­rung für das JRK her­vor, wel­che west­li­che Schwes­ter­ge­sell­schaf­ten, allen vor­an das Bri­ti­sche und das US-amerikanische Rote Kreuz, dazu beweg­te, ihre eige­nen Orga­ni­sa­tio­nen anhand des japa­ni­schen Vor­bil­des zu refor­mie­ren. Da die Rotkreuz-Idee ursprüng­lich aus Euro­pa über­nom­men wor­den war, kann die­se Rück­be­ein­flus­sung als gro­ßer Erfolg im Sin­ne der Meiji-Regierung gese­hen wer­den und dient als Bei­spiel für die Rezi­pro­zi­tät trans­na­tio­na­ler Prozesse.
In der Dis­kus­si­on über die Stel­lung des JRK gegen­über dem japa­ni­schen Staat wur­de vor­ge­schla­gen, dies anhand der Unter­su­chung der Hand­lungs­spiel­räu­me zu tun, die das JRK hat­te. Auf die­sem Wege lie­ßen sich das Ver­hält­nis von Staat und JRK sowie die gegen­sei­ti­gen Abhän­gig­kei­ten näher beleuchten.
Dis­ku­tiert wur­de auch der Aspekt des frei­wil­li­gen Ein­sat­zes der JRK-Mitglieder, die, wenn geru­fen, in der Regel kei­ne Ent­schei­dungs­spiel­räu­me hat­ten. Dazu wur­de aller­dings ange­merkt, dass die Mit­glied­schaft sehr wohl frei­wil­lig war, der Ein­satz eines Mit­glieds hin­ge­gen den Zie­len der Orga­ni­sa­ti­on die­nen muss­te und des­halb nach der frei­wil­li­gen Ent­schei­dung für eine Mit­glied­schaft nicht mehr optio­nal sein konnte.
Zum Aspekt der im Vor­trag erwähn­ten Dank­bar­keit von rus­si­scher Sei­te über die Behand­lung rus­si­scher Kriegs­ge­fan­ge­ner im Russisch-Japanischen Krieg wur­de ange­zwei­felt, dass die rus­si­sche Regie­rung sich direkt der japa­ni­schen Regie­rung gegen­über erklärt habe. Dazu wur­de ange­merkt, dass es Spen­den von rus­si­scher Sei­te an das JRK gab, was mit den Regie­run­gen bei­der Sei­ten nichts zu tun hatte.

Ste­fa­nie Maja Kin­der (Mün­chen): Yanagi Muneyo­shi als Kulturvermittler
Der letz­te Vor­trag stell­te Yanagi Muneyo­shi als Kul­tur­ver­mitt­ler vor. Der japa­ni­sche Phi­lo­soph und Kunst­kri­ti­ker Yanagi Muneyo­shi (1889–1961) ist bekannt als Vater des min­gei, der japa­ni­schen Volks­kunst. Yanagi war ein Grün­dungs­mit­glied der Shirakaba-ha (1910–1923), einer Grup­pe jun­ger japa­ni­scher Lite­ra­ten und Künst­ler, die aus­ge­wähl­te euro­päi­sche Lite­ra­tur und Kunst — durch ihre gleich­na­mi­ge Zeit­schrift Shira­ka­ba sowie Kunst­aus­stel­lun­gen — in Japan ver­mit­tel­ten. Yanagi Muneyo­shi beschäf­tig­te sich ab dem Jahr 1914 zudem ein­ge­hend mit der korea­ni­schen Volks­kunst, beson­ders mit der Kera­mik der Joseon-Zeit (1392–1910). Für sei­ne Erfor­schung und Samm­lung der korea­ni­schen Volks­kunst reis­te er ab dem Jahr 1916 meh­re­re Male nach Korea. Zusam­men mit den Brü­dern Asaka­wa Noritaka (1884–1964) und Taku­mi (1891–1931) sam­mel­te er dabei unzäh­li­ge Kul­tur­gü­ter. Sei­ne For­schung ver­mit­tel­te Yanagi in Japan unter ande­rem durch sei­ne Arti­kel in der Shirakaba.
Durch sei­ne kri­ti­schen Schrif­ten zur japa­ni­schen Kolo­ni­al­re­gie­rung, als Reak­ti­on auf die bru­ta­le Nie­der­schla­gung der Bewe­gung zum 1. März 1919 in Korea ver­fasst, kam Yanagi in direk­ten Kon­takt mit jun­gen korea­ni­schen Stu­den­ten in Japan. Durch die­sen Aus­tausch und sein Bemü­hen, mög­lichst viel der schnell ver­schwin­den­den korea­ni­schen Kul­tur zu ret­ten, beschlos­sen Yanagi und Asaka­wa Taku­mi im Jahr 1920, das Chō­sen Min­zo­ku Bijut­s­ukan (1924) in Seo­ul zu grün­den. Zwi­schen Yanagi, sei­ner in deut­schem Gesang aus­ge­bil­de­ten Frau Kaneko, der Shirakaba-ha, den Asakawa-Brüdern sowie sei­nen korea­ni­schen Freun­den kam es in den fol­gen­den Jah­ren durch meh­re­re Tref­fen, Vor­trä­ge und Kon­zer­te zu einem leben­di­gen Kul­tur­aus­tausch. Die­ser Aus­tausch ist ein wich­ti­ger Aspekt in Yanagis Ver­bin­dung zu Korea und wirk­te sich auch auf die Moder­ne Koreas ab dem Jahr 1920 aus. Beson­ders die Mit­glie­der der korea­ni­schen Lite­ra­tur­grup­pe Pyeho-pa stan­den in engem Kon­takt mit Yanagi. Yanagis Tätig­keit hat­te somit weit­rei­chen­den Ein­fluss in Japan und Korea, der bis heu­te anhält und in den letz­ten Jah­ren erneut Beach­tung und Bewer­tung fand.
In der Dis­kus­si­on wur­de die Fra­ge erör­tert, ob Yanagi die korea­ni­sche Kunst im kolo­nia­len Kon­text als pri­mi­tiv gese­hen hat. Tat­säch­lich beschreibt er korea­ni­sche Kunst als „ursprünglicher“/naturverbundener, was aller­dings nicht gleich­zu­set­zen ist mit einer Klas­si­fi­zie­rung die­ser Kunst als pri­mi­tiv. Yanagi schau­te nicht her­ab auf korea­ni­sche Kunst und Kul­tur, schau­te aller­dings auch mit einem kolo­nia­len Blick auf das Land, wodurch ein gewis­ser Pater­na­lis­mus nicht zu leug­nen ist. Das Wir­ken Yanagis soll­te im Kon­text der Shirakaba-ha gese­hen wer­den, die stark sozia­lis­ti­sche Ten­den­zen hat­te und sich als gan­ze Grup­pe dem Anar­chis­mus ver­bun­den fühl­te sowie gegen Mili­ta­ris­mus und Krieg ein­ge­stellt war.

(Anke Sche­rer)

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